Yerabeth Jerean/Chimärologie

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Fakten

  • Autorin: Yerabeth Jerean
  • Verfasst um: 776 nG
  • Auflage: Ein Original, eine Abschrift
  • Verbreitung: Das Original befindet sich im Besitz der Autorin, eine Abschrift findet sich in den Bibliotheken des Arkan Instituts.

Inhalt

Vorbetrachtung

Fleisch zu Knochen, Knochen zu Blut, Blut zu Haut! Unter dem unheiligen Licht der Sterne von M'nereis, unter dem Fluch der wandelbaren Schwingen des dreigehörnten Mu'vargh - gehorche meinem Ruf! Fleisch zu Knochen, Knochen zu Blut, Blut zu Haut! Unter dem vierfachen Siegel der verborgenen Mächte von Amrighzar, unter dem Segen der zwiefachen Mutter der tausendfachen Brut - gehorche meinem Willen!

  • Das Buch der Wandlungen, Abschrift ca. 376 v.Z.

Und als die Dämpfe aus giftigem Blut sich lichteten, da sah Goldbrand Sonnenhaar die vielgestaltige Bestie vor sich. Und ihr Geifer troff aus dem Maul mit den Haifischzähnen und der steinernen Augen Blick lähmte die linke Hand des Helden! Sturm entfachten die gewaltigen Fledermausschwingen und der faulige Wind lähmte die rechte Hand des Helden! In schillernden Farben glänzte der Skorpionenschwanz mit dem tückischen Gift und das Gleißen lähmte den rechten Fuß des Helden! Da aber nahm Goldbrand allen Mut zusammen und sprach den Namen des Biestes aus. "Chimaeria!" - so rief er, dass die steinernen Wände der Höhle wackelte und da fielen die garstigen Zauber von ihm ab und er stieß seinen Speer Wundgrimm tief in jedes der vier Herzen..

  • Almanach des Volkesglauben, gebundene Lord-British-Ausgabe, 21 v.Z.

Um die missgestalteten Zwillinge jedoch rufen zu können, hast du nicht allein Bedarf am Blut zweier Jungfrauen und dem Schwert eines erhängten Kinderschänders, sondern auch an einer Wolfenechse, geschaffen aus einem Grauwolf und einer Panzerechse der südlichen Sümpfe. Allein die Haut jener Kreatur ist geeignet, um abgezogen und getrocknet..

  • Dramach Geletar, unvollständige Abschrift des Originals, um 100 v.Z.

Selbst die Dämonologie wird nicht mit so missbilligenden Augen betrachtet, wie die Chimärologie, die sich gern in die Nähe der verrufenen Nekromantie gerückt findet.

Wo für die Grabschänder das Bild des traurigen Verlierers aufgebaut wird, der keine Freunde findet, sich darum nur mit den Knochen der Toten zu beschäftigen wagt und den Verblichenen in perverser Gier nachstellt, wird der Chimärologie gern als verrückter Möchtegerngott gesehen, als blasphemischer Emporkömmling, der seine Hände nach der Schöpfung selbst ausstreckt - ausser garstigen Missgeburten, die seiner Bemühungen spotten, jedoch keinen Lohn erntet.

Nun mag jedes Bild in Grenzen seine Berechtigung haben, gewiss gibt es einzelne Nekromanten oder Chimärologien, die dieses bewußt gestaltete Klischee tatsächlich erfüllen und sich finster lachend in ihren armseligen Stuben die Finger vor lauter Boshaftigkeit reiben. Ich selbst jedenfalls möchte mich ungern in diese Riege eingereiht wissen, auch wenn die Thematik Chimärologie mich im Rahmen meiner Ausbildung am Arkan Institut nun tatsächlich eingefangen hat.

Was Chimärologie ist

Grundsätzlich: Als Chimärologie bezeichnet man die Schöpfung von Mischkreaturen aus einzelnen Wesen oder auch Gegenständen.

Bekannte Chimären sind zweifelsohne die Harpyien, eine Mischung aus einem Fahlgeier und einer Frau, sowie die berüchtigten Mantikore, bei denen es sich um eine Mischung aus Mensch, Löwe und Skorpion handelt.

Obgleich die Kunst der Verschmelzung von Lebewesen - und auch Gegenständen - in weiten Teilen der Literatur zwanghaft mit einer dämonischen Komponente verknüpft wird und die mir zugänglichen Ritualbeschreibungen auch immer Bezug auf eine Anrufung zum Zwecke der eigentlichen Verbindung nehmen, ist der Akt der Verschmelzung grundsätzlich ein profaner Akt der Magie, der nicht mehr und und weniger erfordert als andere Zauberei auch: Gewissenhafte Planung und sorgfältige Durchführung.

Einschlägige Schriften machen deutlich, dass zum Behufe der Unterstützung angerufene Dämonen durchaus geeignet sind den Aufwand der eigentlichen Verschmelzung zu minimieren, von einer echten Erleichterung kann jedoch angesichts der dadurch zwiefachen Aufgabe kaum gesprochen werden.

Aufgabenstellung

Die mir durch das Collegium des [[Arkan Instituts] vermittelte Aufgabe lautete wie folgt:

Schafft eine Chimäre aus einem Wesen des Landes, einem Wesen des Wassers und einem Wesen der Lüfte.

  • Yaskan Teldan, Magister des Arkan Instituts

Damit wird explizit die Möglichkeit ausgeschlossen einen unbelebten Gegenstand für die Verschmelzung zu benutzen - was sich meiner geringen Erfahrung nach, als geringere Herausforderung darstellt.

Ergänzt wird die Aufgabenstellung durch folgende weitere Anforderungen:

  • Das Wesen muss leben.
  • Das Wesen muss auf dem trockenen Land lebensfähig sein.
  • Das Wesen muss auf dem trockenen Land bewegungsfähig sein.
  • Das Wesen muss problemlos kontrolliert werden können.

Bewertung der Aufgabenstellung

Angesichts der eindeutigen Fixierung auf die Landfähigkeiten der gewünschten Kreatur, bietet sich die Wahl eines Landlebewesens als Basis an, das anschließend durch die Verschmelzung mit einem Wasser- und einem Lufttier um neue Eigenheiten ergänzt wird. Dabei ist Wert darauf zu legen, dass die Eingriffe die grundlegende Lebens- und Bewegungsfähigkeit nicht über die Maßen beeinträchtigen.

Im Hinblick auf eine sinnvolle Kombination verbietet sich damit die Mehrfachverschmelzung von Eigenschaften, die dadurch zu gewinnende scheinbare Redundanz steht in keinem Zusammenhang zu dem Aufwand, der sich durch den Ausgleich von Nebenwirkungen ergibt.

Entwurf der Kreatur

Ein Werkzeug muß sorgfältig ausgewählt werden, um ein befriedigendes Werk zu schaffen. Nur das Beste darf genügen.

  • "Weisheit und Falschheit", Autor unbekannt, um 100 v.Z.

Als Basis sollte mir ein gewöhnliches Landtier wählen, das vorwiegend die kräftige Knochenstruktur, Herz, Hirn und andere Innerereien zur Verfügung stellen würde. Ich wählte hierfür eine kleinen Hund aus - ohne besondere Präferenzen einfach nur aus dem Grund heraus, dass sich diese Haustier ohne Probleme auch in größerer Anzahl heranschaffen lassen.

Als Wassertier zog ich zuerst einen Fisch in Betracht und erwog die Übertragung einer Schuppenhaut auf den Hund, erste Versuche zeigten jedoch schon Probleme in der Überlebensfähigkeit der entstehenden Wesenheit - sie erstickte regelmäßig nach kurzer Zeit, obgleich die Lunge nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Veränderung der Gliedmaßen des Hundes zu Flossen erwies sich im ersten Ansatz dagegen als erfolgreich, die Abnutzung von Haut und Fleisch erwies sich allerdings als zu groß um noch akzeptabel zu sein - anbei war auch die Beweglichkeit der entstandenen Kreatur als ungenügend einzuschätzen.

Die ersten Versuche der Verbindung des Hundes mit einem Huhn verliefen nach den ersten Fehlschlägen dagegen erfolgreich und es gelang relativ rasch, das Fell gegen ein dichtes Federkleid auszutauschen.

Die Probleme bei der Einbindung eines Fischaspektes bestanden jedoch nicht nur weiter, sondern schienen sich noch verschärft zu haben, immer wieder kam es zu spontanen Abstoßungsreaktionen, die nur deformierte Leichen zurückließen.

Schließlich entschloß ich mich ein anderes Wassertier zu wählen und griff dafür auf einen Tintenfisch zurück, dessen mit Saugnäpfen überzogene Tentakel nach einer sorgsamen Verstärkung mit einem flexiblen Innenskelett stark genug waren, um das Gewicht der entstehenden Kreatur problemlos zu tragen - dafür war jedoch der Zusatz von insgesamt acht tragenden Gliedmaßen notwendig.

Die daraus folgende unkoordinierte Verwirrtheit machte zahlreiche Nacharbeiten notwendig und reduzierte den Hundeanteil weiter, bis fast nur die abgewandelten Knochenstrukturen übrig blieben.

Die Übernahme der grundsätzlichen Konstruktionsmerkmale des Tintenfisches bedingte einen symmetrischen Aufbau des Körpers, der nun grob als Kegelförmig beschrieben werden kann, die acht Augen finden sich ringförmig angeordnet und ermöglichen damit eine Rundumsicht - die in sich schnell verändernder Umgebung jedoch rasch zur Desorientierung der Kreatur führt.

Die Bewegung erfolgt über die Tentakel, die ihre Dehnbarkeit und Biegsamkeit zugunsten der größeren Stabilität des Knochengerüstes aufgeben mussten, dennoch aber geeignet sind, um auch die Fortbewegung an einer entsprechend glatten Zimmerdecke zu ermöglichen.

Vorbereitungsarbeiten

Ein Werkzeug ist so gut wie sein Schöpfer. Wenn das benötigte Material gefunden ist, ist sorgfältige Bearbeitung lebenswichtig.

  • "Weisheit und Falschheit", Autor unbekannt, um 100 v.Z.

Neben Studien der entsprechenden Literatir und der Auswahl gesunder und kräftiger Ursprungstiere, standen hier vor allem das Umfeld betreffende Aufgaben an. Wenngleich ich auf die Anrufung eines dämonischen Helfers zu verzichten gedachte, würde eine zweifache Versiegelung des Ritualplatzes durch einen einfachen Aspektkreis und einen Fünfaspekt-Stern in Staffelung für den notwendigen Schutz sowohl von Innen, als auch von Aussen sorgen. Ich beziehe mich dabei auf den von Thronwig Gerbenmacher beschriebenen Schutzkreis 12. Ordnung, dem geneigten Leser seiner Werke sicherlich bekannt.

In Anbetracht der Tatsache, dass der Moment der Verschmelzung für die entstehende Kreatur äußerst kritisch ist und durch einfache Heilzauber keine Stabilisierung möglich ist, ohne die Verbindung auseinanderzusprengen, stürzte ich mich in das Studium des Folianth der Erklärten Wunderwirkung, etwa zur Zerstörung des Kristalls durch den Magus Varen Direlh verfasst. Auch wenn die Ausführungen des Autors zum erklärten Hauptthema des Buches mit deutlicher Vorsicht zu genießen sind (Beispielsweise behauptet er, dass jeder Magier einen Wurm in seinem Kopf hätte, durch den nicht nur die Fähigkeit zum Zaubern erlangt wird, sondern auch unablässig finstere Einflüsterungen verströmen) findet sich doch eine kompetente Betrachtung verschiedener Methodiken der Heilmagie im vierten Kapitel, hinreichend gut beschrieben, dass ich eine Thesis zu fixieren vermochte (Eine Kopie habe ich dieser Arbeit beigelegt).

Die aus meiner Abschrift des Dramach Geletar ersichtliche ideale Sternenkonstellation für Verschmelzungen wird sich erst im nächsten Jahr wieder finden, zwei weniger erfolgverheissende Konjunktionen offenbarten sich jedoch als nahe genug, um die weitere Planung entsprechend zu beeinflussen.

Gänzlich entgegen der Anweisungen aus dem Dramach Geletar entschloss ich mich das Ritual nicht durch den Verzehr von seit sieben Tagen toten Maden und die "geschlechtliche Vereinigung" mit einem Grünaal einzuleiten - die dadurch zu erlangende Besänftigung des "Matharek ib Lehma'tia" über die Einmischung in sein "Geschäft" war mir zu diesem Zeitpunkt als erreichbares Ziel nicht groß genug - die Umstände sollten mir Recht geben.

Die Vorbereitungen erschöpften sich schliesslich in einer sorgfältigen Auswahl der eher sekundären Hilfsmittel: Eine Ritualrobe aus ungefärbter Wolle, ein Betäubungselixier für die drei Tiere, Blutachate und Lapislazuli als Donariae.

Durchführung

Schmiede dein Werkzeug gut! Mit Sorgfalt und Umsicht mag es gefertigt werden, sonst versagt es im entschiedenen Augenblick.

  • "Weisheit und Falschheit", Autor unbekannt, um 100 v.Z.

Im Rückblick betrachtet, fand sich die größte Schwierigkeit der Verschmelzung tatsächlich in der sorgsamen Vorbereitung auf das Ritual hin. Ich möchte an dieser Stelle nicht auf alle Details eingehen, es sei jedoch darauf hingewiesen, dass sich insbesondere der Entschluss zur Betäubung der ursprünglichen Kreaturen positiv in einem deutlich abgeschwächten Widerstand bemerkbar machte.

Wie erwartet erwies sich der Moment der endgültigen Verschmelzung, der Augenblick der Neufixierung als gefährlichster Teil des Rituals und forderte unerwartet viel stabilisierenden Einsatz des speziell vorbereiteten Heilzaubers, dabei wurden die vorbereiteten Lapislazulibrocken vollständig in magische Kraft gewandelt.

Beachtenswert ist dabei vor allem, dass die Verbindung aller drei Grundtiere gleichzeitig und ohne Zwischenstabilisierung, die sich - meinen Quellen zufolge - als schwierig und mit Nachteilen behaftet erweisen würde, erfolgte.

Nacharbeiten

Die Hand die das Werkzeug leitet, muß es auch beherrschen, damit nicht das Werkzeug den Schöpfer regiere. Davor hüte dich.

  • "Weisheit und Falschheit", Autor unbekannt, um 100 v.Z.'

Während die Verschmelzung vollkommen im Rahmen der Erwartung verlief und dank der Vorbereitungen keine echte Herausforderung darstellte, erwies sich die Kontrolle der entstandenen Kreatur als überaus schwierig. Nach einer längeren Verwirrungsphase, in der die Wesenheit vollkommen ziellos herumtaumelte, erwachte schliesslich zusammen mit den motorischen Fähigkeiten auch eine überaus gereizte Grundstimmung, die mir jede Kontrolle - auch durch angewendete Magie - unmöglich machte.

Erst knappe zwei Tage später, nachdem die Kreatur wegen Nahrungsmangel völlig ermattet war, vermochte ich zu ihr durchzudringen und meine Direktiven zu vermitteln - von diesem Zeitpunkt an auch ohne Probleme.

Dennoch deutet die geistige Störung auf latente Probleme hin, die sich möglicherweise später noch ausformen werden.

Ergänzungen

Was auch immer die Waffe, sie muß erprobt werden. Bei der Herstellung können Fehler verborgen geblieben sein, die sich nur im Gebrauch zeigen.

  • "Weisheit und Falschheit", Autor unbekannt, um 100 v.Z.

Nach Etablierung der Kontrolle war es mir möglich die Kreatur auf die gewünschten Eigenschaften zu prüfen. Nach dem ersten Augenschein hatte die Verschmelzung wie gewünscht funktioniert - die komplett symmetrische Orientierung zeigte sich allerdings nicht gegeben und die Wesenheit beweist deutlich mehr Aufmerksamkeit in eine Richtung, als in das komplette Umfeld - bisweilen werden die "rückwärtigen" Augen sogar geschlossen.

Möglicherweise ist hier einfach Übung notwendig, möglich ist jedoch auch, dass hier Fehler verborgen liegen, die bei einer weiteren Verschmelzung erst beseitigt werden können.

Die Bewegung auf den knochenverstärkten Tentakeln erfolgte mühelos, während sich die Kreatur ein wenig schwer damit tat eine Wand emporzuklettern, hatte sie doch keine Probleme damit an der Decke herabzuhängen oder sich an Selbiger zu bewegen.

Zu meinem Bedauern neigt das Federkleid zu einer gewissen Strukturschwäche und so verliert die Wesenheit, die ich schliesslich in Gedanken an einen lieben verstorbenen Magister auf den Namen "Eltonur" taufte, beständig Federn.

Fazit

Schlussendlich bin ich mit meiner Arbeit trotz kleinerer Schönheitsfehler durchaus zufrieden.

Die Aufgabe des Collegiums konnte in allen Punkten erfüllt werden, auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt über die letztliche Lebenserwartung "Eltonurs" keine Aussage getroffen werden kann.