Namora Duhl/Die Ethik der Magie
Die Ausarbeitung liegt in der Bibliothek der Akademie der freien Völker zu Nu'Jhelm vor und ist wohl somit nicht für Jedermann einsehbar.
Ethik der Magie
Erläuterung
Die Ethik der Magie - im folgenden Ethik genannt - ist eine philosophische Disziplin die sich, im Gegensatz zur allgemeinen Ethik, nicht mit dem “Gut und Böse” des magischen Faches und der angrenzenden Bereiche befasst, sondern mit dem “Richtig und Falsch” Hierbei werden nicht die Motive sondern ausschließlich die Folgen des Wirkens der Magie betrachtet. Das Ziel der Ethik ist allgemeingültige Werte und Normen zu schaffen, die auf die Gesamtheit der Magierschaft anzuwenden sind und die Moral mit empirischen Mitteln zu beschreiben versucht.
Grundsatz
Jeder muss sich selbst gegenüber Rechenschaft ablegen. Nur der eigene Geist erlegt einem geübten Magier, einem Meister seines Faches, Grenzen auf. Gerade wo beinahe alles möglich ist, ist es wichtig sich vor dem Handeln zu fragen: “Was soll ich tun?” Da zunächst davon auszugehen ist das einem Jedem das Gefühl für Recht und Unrecht mit auf dem Weg gegeben ist, kann man davon ausgehen das jeder in der Lage ist zu entscheiden ob das Ziel das zu erbringende “Opfer” rechtfertigt. So sehe ich die moralische Verpflichtung eines Magiers darin, zu wissen was er tut. In den langen Jahren der nie endenden Ausbildung ist es eine Pflicht jedes Magiers den Verstand zu schärfen und sein Können zu vervollkommnen. Das nicht wissen um eine Gefahr oder ein Opfer bei zum Beispiel dem Wirken eines Zaubers ist keine Entschuldigung, und befreit den Zauberweber nicht von seiner Schuld denn er hätte vorher alle Eventualitäten erforschen müssen. Es muss in dem Selbstverständnisses eines jeden Magiers liegen keinen Zauber zuwirken dessen mittelbare oder unmittelbare Folgen nicht abzusehen sind. Es ist wichtig die Zusammenhänge und freigesetzten Kräfte zu verstehen um sie lenken zu können damit der Magier nicht zu instinktivem Handeln gezwungen ist sondern überlegt und genau arbeiten kann.
Verantwortung des Magiers
Die Verantwortung des Magiers gründet auf den oben erwähnten moralischen Grundsätzen. Der Magier muss, zunächst, nur sich selbst gegenüber Rechenschaft ablegen und er unterliegt nur den eigenen geistigen Grenzen.
Gegenüber sich selbst
Gerade in der Ausbildungszeit und vor allem im Anfang selbiger hat der Magier die größte Verantwortung sich selbst gegenüber zu tragen. Die magischen Fähigkeiten sind noch nicht so weit gereift das Dritte ernsthaft geschädigt werden können. Der noch ungewohnte Umgang mit diesen oft lange verborgenen Fähigkeiten stellt für den angehenden Magier selbst allerdings eine erhebliche Gefahr da. Bei nicht gut durchdachten oder schlampig ausgeführten Übungen geschieh schnell ein Unglück das zu nicht unerheblichen Schädigungen führen kann. So ist es vorgekommen das ein junger Adept sich zum Geistigenkrüppel gezaubert hat, da er dachte diese oder jene Konzentrationsübung nicht mehr durchführen zu müssen da er ja bereits routiniert sei. Zu jeder Zeit hat der Magier alle ihm bekannten Vorkehrungen zu reffen die, die Erhaltung seiner geistigen und körperlichen Gesundheit sicherstellen. Denn nur diese garantiert das wirken präzise ausgeführter zauberweberein. Der erfahrener Magier weiß wie wichtig es ist sich selbst zu schützen und das nur immer weitergehende Forschungen in dem Bereich des Eigenschutzes Fortschritte in anderen Bereichen der Magie rechtfertigen. Oftmals ist es so das ein nicht ausreichend geschützter Geist nicht in der Lage ist komplexe Magie zu wirken. So ist ein stillstand der Lernfähigkeit häufig nicht in geistigem Unvermögen, sondern in der Vernachlässigung des Selbstschutzes oder dem Erweitern der Konzentrationsfähigkeit zu finden. Ein weiterer Punkt der Eigenverantwortung ist das Schützen des Geistes vor Fremdeinflüssen. Hierunter ist ebenso ein magischer Angriff oder das Eindringen eines Magiers in den inneren Raum gemeint wie auch Manipulation. Das Abwehren eines magischen Angriffes beziehungsweise eines Außenstehenden Magiers ist ein umfassendes Thema für sich das jedem Studiosi bereits in den Anfängen seiner Ausbildung in Wichtigkeit und Ausführung erläutert wird, weswegen ich hier nicht weiter auf dieses Thema eingehen werde. Die Manipulation mag zunächst vielleicht gar nicht als Bedrohung für die Magie an sich wahrgenommen werden. Fallbeispiele zeigen aber das ein Zauber, wird er nicht mit dem festen Willen der eigenen Überzeugung gewirkt, schnell Formen annehmen kann derer der Magier nicht länger Herr ist. In diesem Falle kommt es häufig dazu das der Zauberweber nur noch reagieren kann und gänzlich in der Eigendynamik der erschaffenen Magie gefangen ist. Diesen Zustand zu lösen bedarf großer Kräfte die zumeist von einem außenstehenden Magier gewirkt werden müssen. Wird der Zustand nicht beendet kommt es nicht selten zur völligen Erschöpfung und seltener auch zum Tod des Magiers.
Gegenüber Dritter
Jeder Magier, auch jene die ihre Fähigkeiten grade erst entdeckt haben, bringt seine Umgebung sobald er einen noch so einfachen Zauber wirkt in größte Gefahr. Dies sollte ein Magus stets bedenken. Diese Gefahr kann die unterschiedlichsten Formen annehmen. Klassisch ist hier zunächst auf das Wirken der Magie auf oder gegen andere zu nennen. Das Problem ist hier wohl am offensichtlichsten. Greife ich jemanden oder etwas mit Magie an verletze ich ihn oder es. Stärke oder Schütze ich mit meinem Zauber so weiß der Bezauberte nicht wie lange dieser Schutz oder die Stärke anhält, da er nicht merken wird wann die magische Kraft nachlässt und sich deshalb womöglich völlig ungeschützt in sehr heikler Situation wieder findet. Wirke ich einen Zauber zum Zwecke der Heilung können im schlimmsten Fall die Wunden nur oberflächlich geschlossen sein und in der tiefe weiter wüten. Ist der Verletze bewusstlos wird das unweigerlich dessen Tod mit sich bringen, kann er sich äußern ist es sehr schwierig die durch Magie bereits versiegelte Wunde vollends zu heilen da es kaum möglich ist sich in den verwundeten Körper zu begeben ohne selbst geschwächt zu werden. Die Auswirkungen in dem benannten Fall sind also hinreichend ersichtlich. Ein weiteres Gefahrenpotential ist natürlich der fehlgeleitete Zauber. Hat sich der Magier nicht ausreichend vorbereitet oder ist aus irgendwelchen Gründen abgelenkt ist es nicht weiter verwunderlich wenn das eigentliche Ziel des Zaubers völlig unberührt bleibt im Umkreis aber mehrere andere Personen / Objekte beeinträchtigt werden. In diesem Falle ist die Magie wie ein schlecht oder gar nicht gezielter Bogenschuß: im schlimmsten Falle für den Freund tödlich. Das nächste zu betrachtende Problem soll die Wirkungsumkehr oder die Paradoxe sein. Ein nicht ausreichend konkreter Gedanke, ein genuscheltes Wort oder einfach eine verdorbene Zutat können bewirken, dass das erwünschte Ergebnis sich ins Gegenteil verkehrt. All diese und noch viele weitere Unfälle bringen grade jene die der Magie nicht mächtig sind in erhebliche Gefahr. Hierbei ist es gar nicht unbedingt nötig das der Zauberweber schlampig arbeitet, auch wenn Unfälle meistens eben daher rühren, es können einfach widrige Umstände sein die dazu führen das ein Zauber völlig überraschend ungeahnte Ausmaße annimmt. Darum liegt die Verantwortung des Magiers gegenüber Dritte eben nicht nur darin sein Handwerk zu meisterlicher Kunst zu bringen, immer genau und konzentriert zu arbeiten, die Zauberutensilien pfleglich und sorgsam zu behandeln und ständig dazu zu lernen. Sondern auch darin keine Magie zu wirken wo sie nicht nötig ist. Hin und wieder ist es besser für alle beteiligten den “normalen”, nicht magischen Weg zu gehen.
Abschließende Betrachtung
Die Ethik ist die Lehre vom richtigen Handeln und Wollen. Sie befasst sich mit der Klärung was richtig und falsch ist, beziehungsweise mit dem Klärungsversuch. Sie ist eng mit dem Begriff Moral verknüpft, der sowohl die Gesamtheit von Werten und Normen als auch das Verhalten in einer Gesellschaft beschreibt.
Aufgrund der mitunter großen Macht eines Magiers hat dieser eine besondere Verantwortung gegenüber sich selbst und anderer. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden ist es die Pflicht eines jeden Zauberwebers nur jene Magie zu wirken deren mittel und unmittelbare Folgen er ersehen kann und stets abzuwägen ob diese vertretbar sind. Ein Magus muss stets wissen was er tut und sein Wissen ständig erweitern. Zu keiner Zeit ist es gerechtfertigt instinktiv zu Handeln oder unkonzentriert zu arbeiten wenn es um das weben eines noch so geringfügig erscheinenden Zaubers geht. Auch ist der Geist des Magiers zu jeder Zeit von Fremdeinflüssen frei zu halten. Jeder Magus muss sich darüber im klaren sein das seine Taten mitunter großen Schaden anrichten können und das es für einen solchen Fall keine Entschuldigung gibt. Die Schuld des wie auch immer gearteten Ergebnisses eines Zaubers liegt ausschließlich und zur Gänze in Jenem der den Zauber gewirkt hat und kann durch nichts getilgt werden.
Der Magier darf nicht zu Übertreibung neigen. Die Art der zu wirkenden Magie muss in einem vernünftigem Verhältnis zu dem erwünschten Ergebnis stehen. Es ist nicht Notwendig einen See zusammen zu falten und zum trocknen aufzuhängen um ohne nasse Füße ans andere Ufer zu gelangen.
Wer all dies bei seinem Handeln bedenkt wird sein Wissen in jedwede Richtung erweitern können und sein Handwerk zur annähernden Perfektion bringe.