Kremius Rodanor/Translokation
Methodische Grundlagen der Translokationsforschung
Prolog
Die Translokationsfoschung im Allgemeinen, ist bekanntlichermaßen die Forschung über die (Fort-) Bewegung zu einem anderen Orte im allgemeinen. Hierzu zählt, im weiteren Rahmen sowohl die Fortbewegung auf arkanem Wege, als auch die rein physische Fortbewegung als solche, zum Beispiel in Form des Laufens oder Fliegens. Dieses Werk dagegen beschäftigt sich ausschließlich mit den methodischen Grundlagen der arkanen Translokationsforschung. Physische Aspekte der Translokationsforschung, wie zum Beispiel die Erforschung der Kunst des Fliegens anhand aerodynamischer Aspekte lasse ich hierbei aussen vor.
Grundlagen der allgemeinen Translokationsforschung bilden verschiedene Abhandlungen über die Planaristik und das arkane Gewebe. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass die Wissenschaft und das Wissen als solches nur aus dem radikalen Zweifel entstehen kann, weshalb man auch solche Theorien, obgleich sie allgemeine Lehrmeinung bilden, nicht als vollkommen oder gar unabänderlich der Wahrheit entsprechend ansehen sollte. Doch aufgrund der Tatsache, dass sowohl die allgemein gültigen Theorien des arkanen Gewebes von Lady Zodiac, die einen zentralen Bestandteil der Bibliothek der Academia Ars Magica zu Moonglow bilden, als auch die Theorien "Die Praxis und die Theorie der Teleportation" von derselben Verfasserin, bisher keinen ernsthaften Widerspruch auf wissenschaftlicher Ebene erhalten hat, gehen die Translokationsforscher von der Richtigkeit dieser Theorien aus und benutzen diese als Grundlage ihrer Forschungen.
Intraplanar
Die subplanare Transokationsforschung ist die Forschung auf dem Gebiete der Erforschung des arkanen Netzes gebunden. Es sind sich die Wissenschaftler weitestgehend darüber einig, dass die Teleportation, also die arkane Translokation auf subplanarer Ebene, innerhalb des arkanen Netzes, das bekanntlich unsere gesamte Umgebung bildet, vonstatten geht. Auf der Schattenwelt bestehen üblicherweise drei arkane Methoden der Fortbewegung. Die erste ist die Fortbewegung durch ein Tor, die zweite ist der sogenannte Rückruf und die dritte ist der Teleport.
Diese Theorie, dass die subplanare Teleportation innerhalb des arkanen Netzes verläuft, vertritt ebenfalls Lady Zodiac in ihrem Werke zur Teleportation. In diesem Werke vertritt die Verfasserin die Meinung, dass von einer markierten Rune aus, die der Magus stets bei sich führt, eine ständige Verbindung zu dem Zielorte in Form von "Fäden" entsteht, die sich zu einem Kanal oder Tunnel zusammenfügen, durch welchen dann das Teleportierte Subjekt zu seinem Zielorte gelangt.
Entspräche diese These der Realität, so bliebe festzustellen, wie es sein kann, dass wir innerhalb des arkanen Netzes keinerlei Zeit wahrnehmen. Es müsste also innerhalb des arkanen Netzes eine ungemein hohe Beschleunigung stattfinden, doch wie kann es sein, dass wir von dem „Bremsen“, am "Ende des Tunnels" nichts wahrnehmen? Desweiteren müsste es möglich sein, einen Stock durch dieses Tor hindurch zu halten, sodass dieser am anderen Tore nicht hinausragt. Nun, es mag sein, dass die ziehenden Kräfte innerhalb dieses Tunnels so groß wären, dass der den Stock haltende Mensch mitgezogen werden würde, aber dies lässt sich gewiss umgehen, indem man Beispielsweise diesen Stock an einem oder mehreren kräftigen Seilen befestigt, welche fest in einem Fels verankert wären. Es ließe sich hier annehmen, dass der Stock aufgrund der enormen Zugkräfte innerhalb dieses Tunnels glatt aus dem Stein herausgerissen wird, oder der Stock zerbricht, doch wäre dies ein Ansatzpunkt. Es wäre weiterhin zu überprüfen, ob es überhaupt möglich ist, rein arkane Vorgänge anhand rein physischer Beweismethoden nachzuvollziehen.
Anbrusia sah das Tor, wie es sich langsam verschloss, doch es war ihr sicherer Untergang, wenn sie dieses nicht erreichen würde. Es begann schon an Kräften abzunehmen und wurde merklich kleiner, denn ein geübtes Magierauge würde erkennen, dass es nurnoch einige wenige Sekunden dauern würde, bis dieses Tor in sich zusammenfallen würde. Es war wohl nicht einmal der hundertste Teil eines Augenblickes, nachdem sie dieses Tor erreicht hatte, da fiel es auch schon in sich zusammen, doch was war das? Das magische Tor, das nun nicht mehr bestand, hatte sie in sich aufgenommen und sie hatte wohl die andere Seite nicht erreichen können. Wir hörten nurnoch einen markerschütternden Schrei unter uns, bevor ein verkohlter Corpus urplötzlich von oben auf uns herabflog, welcher nur ihr gehören konnte...
- aus dem Tagebuch des Spielmannes Alarius Normis
Es drängt sich hierbei die Vermutung auf, dass sich die Tore, durch welche jene Anbrusia schritt, geschlossen haben und somit selbige innerhalb des arkanen Netzes gefangen war, doch ist anzunehmen, dass bei diesem Beispiele, aufgrund des geringen Zeitverlustes, der bei arkanen Teleportationen entsteht, wobei noch nicht bewiesen ist, dass ein Zeitverlust entsteht, eine andere Macht beteiligt gewesen war, wobei es wahrscheinlicher ist, dass dies die Laune eines Daimonen oder daimonenähnlichen Wesens war, als eine tatsächliche "Gefangenschaft" innerhalb des arkanen Netzes.
Nun, es wird bei den Reisezaubern eine Art Raumfalte gebildet, die den Start- und Zielort deckungsgleich machen, sodass der Weg, der zurückgelegt wird, null beträgt, wie bei einem Blatt Pergament das man so faltet, dass zwei darauf markierte Wegpunkte übereinanderliegen.
- Zodiac
Nachdem sie dieses erste Werk über die Theorie und Praxis der Teleportation geschrieben hat, kam Zodiac jedoch zu der Überzeugung, dass die Translokation beziehungsweise die Teleportation derartig funktioniert, dass das Subplanum eine Krümmung bildet und sich in zwei Scheiben übereinanderlegt und man zu dem anderen Orte gelangt, indem man durch ein "Loch" an seinen Zielort gelangt.
Doch muss man sich hierbei Fragen, wie es möglich sein kann, dass zum einen ein Magus die Kraft besitzt, das gesamte arkane Netz zu krümmen und zu andere, wie es möglich sein kann, dass mehrere Magi gleichzeitig dieses Netz krümmen, denn es ist Faktum, dass das Teleportieren als solches auch bei mehreren Magi zur gleichen Zeit möglich ist? Ausserdem würde sich hierbei die Frage stellen, weshalb die Schattenwelt weitestgehen unberührt bleiben sollte, wenn das arkane Netz, aus dem sie besteht, derweil gekrümmt wird.
Interplanar
Die planare Translokationsforschung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Möglichkeit zu erforschen, nicht nur innerhalb der eigenen Halbebene die Teleportation anzuwenden, sondern auch zu anderen Orten hin die Translokation zu vollziehen.
Ausgehend davon, dass die Runen eine ständige Verbindung zum Zielort bilden, ist es notwendig ein Verbingung zu anderen Sphären oder Welten zu finden, die zur Teleportation notwendig ist. Hierbei könnte es hilfreich sein die Teleportation der Daimonen, die, weitläufigen wissenschaftlichen Meinungen nach von einer anderen Ebene abstammen und auf sich die Schattenwelt-Halbebene teleportieren, zu untersuchen um herauszufinden, wie es möglich sein könnte, auch interplanar andere Orte aufsuchen zu können.
Eigene Untersuchungen und Befragungen von Augenzeugen, welche den Kampf mit einem Dämonen an Körper und Geist unbeschadet überstanden hatten, ergaben, daß bei der Kreatur keine Runensteine gefunden wurden, die den Gedanken naheliegen lassen würden, das Wesen nutzt für die Teleportaion (aus eigener Kraft und Antrieb) nach Schattenwelt die gleichen arcanen Strukturen wie ein Zauberkundiger.
- Caleb Galban, "Das Wesen der Dämonen"
Sollte die Theorie von Caleb Galban bezüglich der Dämonen wahr sein, so müsste es dementsprechend möglich sein, über gewisse arcane Strukturen andere Orte in unsere Sphäre und dementsprechend auch aus dieser heraus zu gelangen. Galban führt hierbei zweierlei Thesen auf. Die erste These besagt, dass, weil Daimonen zumeist an Orten aufzufinden sind, an denen Schwarzmagier anzutreffen sind, diese ausschließlich von Schwarzmagiern gerufen werden können, wobei in diesem Falle letztere die "Rune", des Daimonen, also dessen Verbindung zur Schattenwelt, darstellen. Das hieße aber, dass, wenn schon ein arcanes Netz zwischen den verschiedenen Sphären besteht, es auch möglich ist, dass weitere runenähnliche Verbindungen vorzufinden sein könnten, über welche der Magus sich in jene anderen Sphären begeben könnte.
Beim intraplanaren und interplanaren Reisen macht man sich die Kraftfäden im Astralraum zu nutzen. Durch die Verba Arcana und die Structuratio werden diese Kraftfäden verformt. Es werden Ausgangsort und der Zielort des Kraftfadens, der auf einer Rune gespeichert ist, miteinander verbunden. Es bildet sich eine Raumspalte durch die man an den gewünschte Ort gelangt. Wenn keine Rune zur Verfügung steht, kann nicht ausgewählt werden in welche Ebene man gelangt. Es wird willkürlich ein beliebiges Ziel ausgesucht. Dies birgt grosse Gefahr beim Reisen ohne ein Ziel, dass auf einer Rune gespeichert ist. Es könnte geschehen, dass man in eine Ebene gelangt, in der man nicht überleben kann.
- Rogwyn, "Die Theorie des transplanaren Reisens"
Die zweite These, die von Galban selbst bevorzugt wird, ist die Theorie, dass Daimonen vermögen, sich anhand ihrer eigenen arkanen Kraft fortzubewegen, wofür sie keinerlei Runen benötigen.
Die Dämonen erkennen aus eigener ihnen gegebener Kraft die Schwingungen und (Rück-) Flüsse im Gewebe und nutzen dies aus um ihre eigene Ebene zu verlassen. Für diese "Reise" benutzen sie nach meinen Vermutungen die transistenten Ebenen.
- Caleb Galban, "Das Wesen der Dämonen"
Das hieße in seiner Folge, dass es eventuell ebenfalls uns Menschen möglich sein könnte, uns mit unserer eigenen arkanen Kraft in Sphären, die uns Nahe liegen zu teleportieren, sofern eine ungefähre Zielangabe möglich ist. Allerdings dürfte es und schwer fallen, diesbezüglich Zielangaben zu finden, doch es wären Methoden zu prüfen, nach denen der Mensch, ähnlich wie der Daimon, die Schwingungen, Flüsse und Rückflüsse, die Galban in seinem Werke beschreibt, ebenfalls zu erkennen.
Eine weitere Möglichkeit könnte sein, dass der Daimon sich ausserhalb der Schattenwelt-Halbebene rein physisch bewegt und lediglich arkane Kraft aufwendet, um die Grenzen des Subplani zu überwinden.
Intertemporär
Wenn man die Definition der Translokationsforschung auf die Zeit erweitert, ist es möglich den Begriff der Translokationsforschung Verbindung mit der Erforschung der Zeitreise zu sehen, da dies faktisch zwar aus der Sicht des Raumes, eventuell der selbe, jedoch aus der Sicht der Zeit ein differenter Ort wäre. Doch dieses Thema möchte ich nur in kurzen Worten umschreiben.
Nähere Erläuterungen und theoretische Grundlagen zu diesem Thema sind von Rogwyn in seinem Werke "Die Theorie des transplanaren Reisens" aufgeführt. Er hat hier zweierlei Sprüche entwickelt, die es möglich machen sollen, Zeitreisen zu unternehmen. Auffällig ist hierbei, dass keiner dieser Sprüche besondere Popularität erreicht hätte, was den Verdacht aufdrängt, dass sie in ihrer Effektivität und praktischen Verwendung stark eingeschränkt sind.
Der erste Spruch, den er hier aufführt ist der Spruch Kal Tym Ylem, mit dem es möglich sein soll, anhand von Runen, die einen Zeitfaden imprägniert hat, also in der ein Zeitfaden auf arkanem Wege gespeichert ist, ähnlich wie der Runen, die wir für die örtliche Teleportation verwenden, sich zu teleportieren. Die Theorie die hier zugrunde liegt, ist die Hierbei ist jedoch auffällig, dass ein entsprechender Spruch zum Markieren einer "Zeitrune" fehlt. Und selbst dann wäre, mit dem heutigen wissenschaftlichen Kenntnisstand, diese Theorie nicht aufrechtzuerhalten, da wir wissen, dass man sich an dem Orte, also in dem Zeitalter bereits befinden muss, um eine Rune markieren zu können, denn wie selbst soll der Anfangspunkt einer Rune gelegt werden? Dieses Problem wäre nur zu lösen, indem der Magus für seine Nachwelt eine Rune hinterlassen würde.
Das zweite und weitaus drastischere Problem stellt sich folgendermaßen dar: Wenn wir in einem konstruierten Szenario davon ausgehen, dass es dem Magus gelingt, anhand einer Rune in die Vergangenheit zu "reisen", müsste er diesen Weg wieder zurückgehen. Dies kann ihm nur dadurch gelingen, dass er vor seiner Reise eine zweite Rune zu dem Zeitpunkt markiert, bevor er die Zeitreise unternimmt. Allerings kann er sich lediglich zu diesem Zeitpunkte zurückteleportieren, während sich die reale Welt, sofern er in dieser vorher gelebt hat, weiterentwickelt.
Sein zweiter Spruch Kal Ort Rel Tym benötigt keinerlei Runen.
Die Potentatio, in diesem Fall ist es ein Zeitfaden, wird umgeformt, so dass die Zeitebene, in der sich der Zaubernde aufhält, mit der zu erreichenden Zeitebene verbunden wird. Es entsteht eine Zeitspalte durch die der Zauberer in die gewünschte Zeitebene gelangt.
- Rogwyn, "Die Theorie des transplanaren Reisens"
Es wäre hierbei nur zu überlegen, woher der Magus die genaue Veränderung wissen soll, die er an der Zeitebene vornehmen soll, um das Verbinden dieser beiden Zeitebenen zu bewirken. Zieht man hierbei parallelen zur örlichen Translokation, so weiß man, dass der einzige weithin bekannte Spruch bei der örtlichen Translokation, der keine Rune als Hilfsmittel benötigt, der Spruch Teleportation Rel Por ist, bei dem der Zaubernde sein Ziel optisch wahrnehmen muss. Wie aber soll ein Magus sein Ziel auf dem Zeitfaden wahrnehmen?
Ich gehe von der Theorie der Planaristik von Relnor Askiri aus, und füge noch etwas hinzu. Eine Ebene definiere ich als eine einzige Welt, und nicht als eine Vielzahl von Welten. Alle Ebenen existieren nebeneinander in einer Zeitebene. Eine Zeitebene umfasst also alle 3 Arten von Ebenen. Die Primärebenen, inneren und äußeren Ebenen. Die Zeitebenen existieren übereinander und bilden die Ätherebene. Diese wird vom Astralraum durchdrungen. Weiterhin sind die Zeitebenen durch Zeitfäden oder Zeitsträngen miteinander verbunden. Jede Person, Kreatur und jedes Objekt besitzt einen Zeitfaden, mit dem sie fest verbunden sind. Die Zeitfäden haben, je nach dem ob man in die Vergangenheit oder die Zukunft reisen will, negative oder positive Richtung.
- Rogwyn, "Die Theorie des transplanaren Reisens"
Gehen wir davon aus, dass diese Ergänzung richtig ist, so müssten sämtliche Ebenen als solche in unendlichfacher Menge nebeneinander existieren, denn sie wären zu jeder Sekunde existent. Das würde bedeuten, dass unendlich viele, leicht manipulierte, arkane Netze nebeneinander existieren müssten. Ich persönlich sehe deswegen die Auswirkungen des Mantrums auf ein spezifisches Objekt oder Subjekt auf der Halbebene selbst begrenzt. Damit ist gemeint, dass das Mantrum Tym meiner derzeitigen Meinung nach, nur dafür geeignet ist, ein anderes Subjekt altern oder jünger werden zu lassen und dies, wie die meisten Sprüche nur für eine begrenzte zeitliche Dauer.
Epilog
Der Leser wird erkennen, wie viel Arbeit noch auf dem Gebiete der Translokationsforschung ansteht. Es bleibt zu hoffen, dass sich findige Köpfe nicht ob der Komplexität dieses Themas abschrecken lassen, damit Ergebnisse und Theorien gefunden werden können um das Phänomen verschiedener Translokationen wahrheitsgetreu konstruieren zu können. Es sei gesagt, dass sämtliche Theorien, denen ich hier widerspreche, trotzdem die Wahrheit sein können. Die Wissenschaft, und somit auch die Wissenschaft der Translokationsforschung, lebt vom radikalen Zweifel."