Amadea Siyah/Vergleichende Glaubensdarstellungen
Vorwort
Sicherlich erscheint es verwunderlich, warum sich eine Knappin mit so etwas befremdlich Abstraktem wie den Darstellungen des Glaubens an Tyrael befasst. Eine genaue Antwort dafür habe ich nicht, jedenfalls keine die dazu dienen könnte kritische Geister zu befriedigen. Es interessiert mich, weil mich der Glauben interessiert. Um bei den unten angeprochenen Darstellungen zu bleiben, ich sehe mich als einen Baum, der über Jahre gewachsen ist, wenn nicht Jahrzehnte. Dabei war er Fährnissen ausgesetzt, die ihn vielleicht haben windschief werden lassen, dennoch hat er starke Wurzeln und tragende Äste. Ich betrat das Haus, das für mich den Glauben symbolisiert ebenso durch die Tür, angetrieben durch meinen freie Willen, doch wurde mir diese Tür geöffnet. So möchte auch ich dazu dienen Türen zu öffnen und Licht zu zeigen, welche Farbe auch immer mein Licht haben mag. Ebenso bitte ich darum, mir mein mangelndes künstlerisches Talent nachzusehen. Mögen die von mir angefertigten Skizzen nicht schön sein, sie erfüllen doch ihren Zweck.
Das Haus des Glaubens
Das Haus des Glaubens kann auch gleichwirkend als Gebäude des Glaubens bezeichnet werden. Es stellt den Glauben an den Lichteinen als Haus dar. Sicherlich ist diese bildliche Darstellungsweise im höchsten Maße kritikwürdig. Es mutet schon etwas anmaßend an so etwas Großes und nicht Fassbares, gleich dem Segen des Herren, der uns seinen Glauben schenkt in eine rohe Zeichnung pressen zu wollen. Dennoch ist es gerade für die einfacher strukturierten Glaubenden unerlässlich ein Bild zu haben, das einfach genug ist um verstanden zu werden und dennoch möglichst viele der Facetten erfasst. Allen Darstellungen des Glaubens auf der Bildebene fehlt die echte Dimensionierung. Bilder habe nur zwei Dimensionen, keine drei oder vier. Man sehe dies hier nach. Auf Vollständigkeit wird kein Anspruch erhoben.
Das Fundament
Das Fundament des Gebäudes bilden die drei Prinzipien. Drei in etwa gleich große Fundamentblöcke, die dem Haus Grund und Stabilität verleihen. Wahrheit, Liebe und Mut sind die Heiligen Ideale auf denen alles weitere aufbaut. Sie dienen im Glauben nicht nur der Ausrichtung auf das, was gut ist, sondern stellen sogar vom Glauben völlig unabhängige Ideale dar, die von jedem Menschen verinnerlicht werden können, ob er nun zum wahren Glauben an den Erzengel findet oder nicht.
Die Tür/Schwelle
In das Gebäude hinein führt eine große Türe, deren Schwelle allerdings recht hoch ist. Diese Schwelle ist der freie Wille oder auch Voluntas. Er allein ist entscheidend, ob eine Person die Prinzipien zwar achtet, aber sich das Gebäude lieber von außen betrachtet oder aber hineingeht und somit zum Teil des Gebäudes wird. Überqueren wir die Schwelle oder nicht? Dies ist die alleinige Entscheidung eines jeden Wesens
Die Mauern
Wie jedes Gebäude, so besteht auch das Haus des Glaubens aus festgefügten Mauern aus einzelnen Steinen. Der äußere weiße Putz mag dafür sorgen, dass sie alle gleich aussehen und doch sind sie es nicht. Sie füllen die einzelnen Gefache auf, aus denen das Mauerwerk errichtet ist. Die Gefache symbolisieren dabei die einzelnen Glaubensausrichtungen, die sich ja- bekanntermaßen- in ihren Schwerpunktsetzungen durchaus erheblich voneinander unterscheiden können. Die Ziegel, die die Gefache füllen, stehen für die Glaubenden. Jeder einzelne ist somit ein tragender Bestandteil des Hauses. Je nach Wesensart oder Charakter mag er weniger hart gebrannt sein oder auch Schwachstellen aufweisen. So sind dennoch andere um ihn herum und können Halt geben.
Die Fenster
Fenster dienen in gewöhnlichen Gebäuden dazu Licht hineinzulassen. In diesem Gebäude strahlt das Licht allerdings aus ihnen hinaus. Die acht Fenster stehen für die acht Tugenden Tyraels. Jedes Fenster erstrahlt in der ihm zugedachten Farbe. Dies ist für die doch meist ungebildeten Glaubenden aus dem einfachen Volk sehr einsichtig, können die meisten von ihnen doch nicht lesen. Die Farben der Tugenden hingegen werden mündlich überliefert und scheinen allgemein bekannt zu sein. Hier ist es auch kein Zufall, dass alle Fenster gleich hoch und gleich breit sind. Keine Tugend wichtiger als die andere. Einige sind nur deutlich leichter zu leben. Tugenden Demut und Spiritualität flankieren in dem Bildnis die anderen sechs Tugenden. Auch dies wurde mit Absicht so angeordnet. Beide Tugenden sind für die Glaubenden sehr abstrakt und somit recht schwer fassbar. Sie liegen an den Außenseiten des Gebäudes, da sich der Glaubende, der sich ihnen nähert dies gut vorbereitet tut, in dem er den Rest des Gebäudes und somit auch die anderen Tugenden passiert. Einige wenige begnadete unter uns Lichtfolgern sind sicher bereits mit Eintritt über die Schwelle zu großer Demut fähig und oder fühlen die spirituelle Nähe des Lichteinen sehr deutlich. Das gilt aber bei weitem nicht für die Mehrheit der Tyraelisten. Viele von uns legen einen langen Weg zurück bis sie diese beiden Tugenden verinnerlichen, einige schaffen es nie.
Das Dach
Jedes Haus benötigt ein Dach. Ein Dach, dass es schützt, von dem es überdacht wird. In dieser Darstellung steht die Kirche Tyraels für dieses Dach. Sie beschirmt die Gläubigen und gewährt ihnen Schutz und Zuflucht. Das Dach sorgt dafür, dass die Ziegel der Mauern trocken bleiben und so das gesamte Gebäude lange bestand hat. Im umgekehrten Fall tragen die Mauern und somit die Ziegel das Gewicht des Daches. Übertragen gesprochen: Die Kirche in ihrer ureigentlichen Funktion gibt den Glaubenden Bezugspunkte, durch gemeinsame Gebete, Messen und nicht zu vergessen, der Möglichkeit zu beichten. Durch all das können Risse in den Ziegeln verhindert werden. Ein Glaubender, der sich in seinem Glauben gut geborgen fühlt, wird vielem widerstehen können, vor allem aber den frevlerischen Versuchungen der Götzen und ihrer Diener! Die Gemeinschaft der Glaubenden hingegen bildet die Kirche, jeder kirchliche Würdenträger, oder auch einfacher Priester ist ein Glaubender.
Der Baum des Glaubens
Für diese sehr simple Darstellung gilt, dass sie nur ein fades Abbild der Realität darstellt. Allerdings eignet sie sich wunderbar um sehr jungen Kindern den Glauben in seinen Grundzügen nahe zu bringen. Bäume sind ihnen vertraut, durch ihre täglichen Spiele, so dass sie ohne Schwierigkeiten in der Lage sind, den Erklärungen zu diesem Bild zu folgen.
Die Wurzeln
Der Baum besitzt drei große Hauptwurzeln, die ihn im Boden verankern. Sie sind dick, etwas wulstig, ein idealer Halt im Boden der Wirklichkeit. Die Wurzeln stehen für die drei heilligen Ideale Wahrheit, Liebe und Mut. Sie nähren in ihrer zweiten Funktion den Baum, in dem sie ihm erlauben Wasser und Nahrung aus dem Boden aufzunehmen. Wahrheit. Mut und Liebe sind auch für uns, unsere Versorger, nicht der Körper wird durch sie genährt, der Geist allemal.
Der Stamm
Der Stamm des Baumes kann, je nach Alter der Pflanze bekanntermaßen unterschiedliche Zahlen an Jahresringen und somit Dicke aufweisen. Er symbolisiert hier den Glaubenden als Person, ein Kind wäre somit ein eher junger Schößling, der noch im Wachstum begriffen ist, ein Mann in den besten Jahren könnte man sich als gut gewachsenen Yewbaum vorstellen. Der Stamm wird geschützt durch die Borke. Sie hält schädliche Einflüsse fern, schützt vor der winterlichen Kälte wie vor der sommerlichen Hitze. Der freie Wille ist unser Borke. Er umhüllt den Glaubenden, der sich frei und ohne Zwang für den Glauben an Tyrael entscheidet. Sicher ist dieser Wille, dieser feste Entschluss angreifbar. Ein zu strenger Frost, sprich zu viele Unglücke können den Willen eines jeden Glaubenden arg in Bedrängnis bringen. Über die Jahre hinweg erhält somit die Borke Risse, ob sie wirklich platzt ist von ihrer Dicke abhängig. Ein starker Wille ist nicht leicht zu brechen.
Die Äste
Nicht zufällig bilden acht Äste die Krone des Baumes. Die Äste stehen für die Tugenden. Wie dick jeder einzelne Ast ist und wie tragfähig, hängt hierbei von dem Glaubenden ab. Ebenso ist es doch sehr individuell unterschiedlich, wann der ein bestimmter Ast und somit auch eine bestimmte Tugend ausgebildet werden. Jeder Ast ist gleichwertig mit dem anderen, so wie auch keine Tugend wichtiger ist als die andere. Jeder der Äste trägt Zweige und an diesen Blätter und Früchte. Diese stehen symbolisch für das Wachstum und Reifen, dem auch der Glaube unterliegt, sowie auch der Verbreitung und Vermehrung. Eine Zuweisung der einzelnen Tugend zu dem jeweiligen Ast, kann man vornehmen. In einigen Schriften wird ja die Demut als das Äußere des Kreises und die Spiritualität als das Innere des Kreises beschrieben. So mag es angehen, dass die Demut von dem Ast dargestellt wird, der am weitesten von den Wurzeln entfernt liegt. Immerhin wird diese Tugend von keinem der drei Prinzipien abgeleitet, was durch die größere Entfernung zu dem Versorger des Baumes sicher überzeugend dargestellt wird. Die Sprititualität hingegen leitet sich gemäß des Kodex der letztgültigen Weisheit von allen drei Idealen ab, somit ist ihr einer der unteren Äste zu zuweisen.
Vergleich der Darstellungen
Wie jeder von angepasstem Intellekt beseelte Leser und Betrachter sicher leicht feststellen kann, so ist weder die Darstellung des tyraelischen Glaubens als Haus noch als Baum alleinige selig machend. Dem Haus fehlt deutlich die Lebendigkeit, die der Glaube inne hat und ohne die er eine leere Phrase wäre. Ebenso zeigt das Bild nur zwei Dimensionen, obwohl der wahre Glaube unendlich viele davon zu haben scheint. Der Baum hingegen weißt deutlich mehr Lebendigkeit auf, steht er doch sinnbildlich für das Wachstum, allerdings auch für die Vergänglichkeit. Der größte Unterschied der beiden Darstellungen liegt jedoch nicht in ihrer an sich jeweils korrekten, wenn auch eingeschränkten Abbildungskraft, sondern in ihrer differierenden Symbolik. Das Gebäude des Glaubens steht als Abbild des Glaubens in seiner Gesamtheit als statisches Objekt da. Der Baum vergegenwärtigt dagegen den Gläubigen an sich und seine Entwicklung. Allerdings lässt die Darstellung als Baum die Einbeziehung der einigenden Kirche vermissen, sicher eine große Schwäche dieses Bildes. Doch sollte man hier bedenken, dass ein Wald stehts aus Bäumen gebildet wird. Somit könnte man vom Wald zur Kirche eine gedankliche Linie ziehen, so man denn geneigt ist dies zu tun.
Zusammenfassend gesagt: Keine Darstellung ist perfekt, so wie kein Wesen außer dem Erzengel wirklich perfekt sein kann. Wir sind die Summe unserer Fehler und so bilden wir unsere Welt. Der Glauben an den Lichteinen befähigt uns jedoch dazu diese Fehler zu erkennen und ein wenig vollkommener zu werden.
Amadea Asker Siyah
gegeben im 12. Monat, im Jahre 1 nach Lamarit