Aldwulf Thoregar/Artefakterstellung für Weltliche

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Fakten

  • Autor: Aldwulf Thoregar
  • Verfasst um: 779 nG
  • Auflage: Ein Original, zwei Abschriften
  • Verbreitung: Sämtliche Exemplare befinden sich in der Bibliothek des Sternenstaub-Kollegs.

Inhalt

Aufgabenbeschreibung

Herr Caras, Bogenbauer zu Ocllo sucht nach einer Möglichkeit die den Reagenzien innewohnende Kraft für seine Handwerkskunst nutzbar zu machen. Diese Aufgabenstellung wird durch Magister Roderick wie folgt erweitert:

Entwickle eine Methode, die es einem Nichtmagier erlaubt Zauber auf solide Gegenstände aufzubringen. Beschreibe das notwendige Vorgehen und resultierende Einschränkungen.

  • Yanderin Roderick

Analyse der Aufgabe

Die Kunst der Zauberei ist etwas, was gewöhnlich zwingend die Anwesenheit der Gabe vorraussetzt, gerade ein Teil der Artefaktherstellung, nämlich die Alchemie, ist jedoch sehr wohl in der Lage echte magische Effekte zu bewirken - und dass ohne das der Alchemist auch nur die geringsten Spuren von astraler Kraft besitzt. Zur Erfüllung der Anforderung liegt es also nahe sich auf diese Eigenheit zu konzentrieren und eine Adaption zu ermöglichen.

Dies stellt im ersten Blick auch die einzige Schwierigkeit dar, es müßte also denkbar sein durch die richtige Kombination von Hilfsmitteln die Anforderung zu erfüllen.

Grundsatzbetrachtung: Alchemie

Zugegebenermaßen war es das erste Mal, dass ich mich mit diesem, gern etwas belächelten Zweig der Kunst beschäftige, aber schon ein flüchtiger Blick auf die hier wirkenden Prinzipien sorgte für ausnehmende Verblüffung. Um die Eigenheiten der Alchemie zu adaptieren ist es notwendig zu verstehen warum sie funktioniert, genau hier offenbarten sich mir jedoch eine grundsätzliche Frage: Wieso funktioniert sie überhaupt?

Die in der Spruchzauberei verwendeten Reagenzien finden in der Alchemie Verwendung, aber ohne die entzündende Kraft eines Magiers müßte ihr Nutzen nicht über das hinausgehen, was beliebig zerriebene Kräuter oder Pülverchen eben taugen. Tatsächlich gibt es absolut keinen irgendwie gearteten magischen Effekt, wenn ein Weltlicher Reagenzien zerquetscht, zerschneidet oder zermahlt. Sicherlich: Es existieren teilweise Übereinstimmungsmerkmale zwischen der magischen und der weltlichen Wirkung der Zauberkräuter, aber sie erscheinen nicht durchgehend. Ein einfacher Extrakt aus Ginseng kann sehr wohl heilfördernde Wirkung haben, aber erst durch die Kunst der Alchemie verwandelt sich das Gebräu in einen potenten Heiltrank, dessen Fähigkeiten weit darüber hinausgehen das Leid eines verdorbenen Magens zu lindern.

Irgendwo während des Vorgangs der Herstellung musste also der Augenblick verborgen sein, in dem die astralen Muster entstehen. Handelt es sich beim Alchemisten um einen Zauberer, so kann dieser Moment frei gewählt werden: Die gewünschten Muster lassen sich frei formen und werden durch die Reagenzien mit Kraft unterstützt. Die wandelnde Kraft des Wasser dient als formidabler Träger für die festgehaltenen Muster. Dieses Vorgehen fordert entsprechende Kenntnisse des zu wirkenden Zaubers ebenso ein, wie das Vorhandensein astraler Kraft - und keine dieser beiden Bedingungen werden von einem Weltlichen erfüllt. Dabei kann der Vorgang des eigentlichen Wirkens im Falle einfacher alchemistischer Tränke durchaus trivial sein und es benötigt nicht mehr als einen minimalen Anstoß, um die ohnehin geprägte Kraft zu entfachen und zu stabilisieren. Trivial - aber doch etwas, was die Gabe eines Magiers benötigt.

Dennoch unterscheidet sich das Vorgehen mundäner Alchemisten von außen betrachtet nur unwesentlich von dem eines Zauberers: In einem mehr oder weniger langwierigen Prozess werden verschiedenste Zutaten zusammengefügt, extrahiert und weiterverarbeitet, bis das gewünschte Resultat vorhanden ist. Wann aber erscheinen die astralen Muster, die nicht einfach "Ex Nihilo" entstehen können?

Die Geschichte der Alchemie gibt Hinweise darauf, dass es früher durchaus üblich war den zu schaffenden Tränken Splitter von Karfunkelsteinen zuzusetzen - ein durchaus probates Mittel, um zumindest Facetten eines zauberfähigen Geistes einzubinden. Es ist aus den mir zur Verfügung stehenden Unterlagen nicht ersichtlich, ob andere Vorgehensweisen damals nicht erfolgreich waren oder schlicht nicht für möglich gehalten wurden, heute jedenfalls ist die Zugabe von Karfunkeln unüblich und nicht notwendig.

Für mich bedeutet das: Unter Umständen muss das, was bei der Alchemie funktioniert, auch bei normalen Gegenständen seine Arbeit tun. Wenn nicht, könnte immernoch auf Karfunkelsplitter ausgewichen werden, was die Kosten jedoch deutlich in die Höhe treiben würde.

Adaption des alchemistischen Prozesses auf solide Gegenstände

Ein Versuch sollte zeigen, ob es für einen Weltlichen möglich ist astrale Muster auch auf solide Gegenstände auszubringen, äquivalent dazu, wie dies bei alchemistischem Gebräu funktioniert.

Dafür verpflichtete ich einen der auf Magincia ansässigen Alchemisten und stellte ihm eine hinreichende Anzahl von Ginsengpflanzen, sowie ein unbehandeltes Stück geläuterten Holzes zur Verfügung. Beaufsichtigt wurde der Versuchsaufbau durch Magister Roderick, der auch die Absicherung nach außen übernahm.

Das Experiment sollte zeigen, ob es dem geübten Alchemisten möglich war das Holz mit einem auslösbaren Heilzauber zu belegen. Dafür wurden ihm im ersten Schritt keine Hilfsmittel zur Verfügung gestellt, im zweiten Schritt dagegen das gesamte gewohnte Labor.

Im ersten Schritt ohne Hilfsmittel, gelang es dem Alchemisten nicht eine wie auch immer geartete astrale Wirkung zu erzeugen. Weder das Einreiben des Holzes mit Ginsengblättern, noch das Beträufeln von ausgepresstem Saft ließen irgendeinen Zauber entstehen. Dieses Resultat deckt sich vollständig mit den Erwartungen und Erfahrungen der Umwelt: Wäre es so einfach Magie zu erzeugen, dann würde man sie an jeder Ecke finden.

Im zweiten Schritt wurde das Holz direkt in den alchemistischen Herstellungsprozess eingebunden, quasi "mitgekocht", während umher der Heiltrank entstand. Die dabei entstehenden astralen Muster blieben jedoch in der Flüssigkeit und griffen nicht auf den Fremdkörper über. Das heisst: Obgleich die bekannte Prozedur vollständig und erfolgreich verlief, blieb sie in der neu eingebrachten Anforderung vollständig wirkungslos.

Die Wiederholung mit verschiedenen anderen Gegenständen zeigte keine abweichenden Resultate.

Was unter den uns bekannten Annahmen zur Wirkungsweise der Zauberei nicht verwundern sollte, passte doch nicht zum Verhalten der Alchemie, an der Stelle sah ich mich jedoch außerstande die Gründe dafür aufzudecken. Es ist denkbar, dass eine spezielle Eigenheit des Wassers den Ausschlag gab - an dieser Stelle gibt es definitiv noch Raum für Forschungen, die hier jedoch nicht meine Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen sollte.

Verwendung von Karfunkelsplittern

Die in älteren Schriften beschriebene Verwendung von Karfunkelsplittern stellte sich als sehr teure und nur eingeschränkt nutzbare Variante heraus, um die geforderte Aufgabenstellung zu erfüllen.

Winzige Reste eines vormaligen Bewußtseins erwiesen sich als noch zauberfähig genug, um in Verbindung mit einer passenden Energiequelle für astrale Muster zu sorgen. Wo Karfunkel allerdings so schon schwer genug zu beschaffen sind, zeigte die nicht vorhandene Kontrolle durch einen Weltlichen eine unerfreulich hohe Quote an Verlusten: Die durch die Reagenzien geprägte Wirkung ist in ihrem Rahmen zufällig und damit unzuverlässig: Nur bei etwa jedem zehnten Karfunkel trat eine Verzauberung auf, die grob den Wünschen entsprach und darüber hinaus einigermaßen stabil war. Es ist wahrscheinlich, dass die Bindung an Wasser auch hier deutlich erfolgreicher verlief.

Als Problem zeigte sich an dieser Stelle die mangelnde Möglichkeit eines Sterblichen überhaupt die Qualität einer Verzauberung zu prüfen.

Nichtsdestotrotz kann die Aufgabenstellung durch diesen Weg als prinzipiell lösbar betrachtet werden.

Verwendung eines fixierten Kraftfokus

Die durch Magister Roderick empfohlene Verwendung eines Kraftfokus sollte einen gänzlich anderen Ansatz verfolgen und die fehlende Fähigkeit des Weltlichen durch eine "Krücke" ergänzen: Grundsätzlich funktioniert ein solcher Fokus dergestalt, dass er gewisse eingeprägte Grundmuster besitzt, die durch gespeicherte Kraft schließlich auf ein Ziel übertragen werden können. Die Herstellung eines solchen Artefaktes ist, wenn auch nicht trivial, so doch für einen Kenner der Materie ohne größere Schwierigkeiten zu verwirklichen - die Probleme zeigen sich bei der Anwendung.

Abgesehen davon, dass der Fokus beständig neu mit astraler Kraft aufgeladen werden muss, ist er ein teures Einzelstück, das genau für eine gewünschte Wirkung geschaffen wird und nicht sehr gut auf unterschiedliche Ziele passt. Die unspezifizierte Applikation eines astralen Musters führt je nach freigesetzter Kraft und Größe wie Widerstand des zu verzaubernden Gegenstandes zu sehr unterschiedlichen Wirkungen. So kann ein mit einem Eiszauber belegter Pfeil beispielsweise perfekt die elementare Kraft aufnehmen, tauscht man jedoch die Federn am Schaft, wird das Geschoss einfach nur kalt oder verwandelt sich gar vollständig in elementares - und brüchiges - Eis.

Zudem stellt ein derart spezialisierter Fokus zwar eine Lösung zu Magister Rodericks Erweiterung der Aufgabenstellung dar, nicht jedoch für die ursprünglich auf Reagenzien fixierte Anforderung.

Verwendung eines freien Kraftfokus

Der freie Kraftfokus sollte die Schwächen des fixierten Kraftfokus ausgleichen ohne dabei die Vorteile aus der Hand zu geben: Die flexibel erweiterte Linse des Fokus sollte die freizusetzende Kraft durch die frisch zugeführte Energie bemessen. Im ersten Versuch erwies sich dieses System als durchaus ausbaubar - und mit den gleichen Mängeln behaftet, an denen auch die Verwendung der Drachenschuppen krankte: Die durch Reagenzien gelieferte Kraft war so ungenau, dass ein hoher Bestandteil der verzauberten Gegenstände schlichtweg unbrauchbar war. Die Einbindung eines auf den Besitzer geeichten kontrollierenden Elementes vermochte dann gleich zwei Fragestellungen auf einmal zu lösen:

Zum Einen konnte die grob vorgegebene Richtung des Zaubers stabilisiert werden - immerhin genug, um den Ausschuss auf etwa vierzig von einhundert zu senken, zum zweiten war es möglich die für den Betrieb des Fokus notwendige Energie direkt aus dem Besitzer zu ziehen.

Die große Anzahl von funktionierenden Mustern offenbarte allerdings weitere, die Nutzungsmöglichkeit beschränkende Schwierigkeiten, die sich bei späterer Prüfung auch beim fixierten Kraftfokus aufzeigten: Die auf die Gegenstände ausgebrachten Zauber sind nur bedingt stabil, das Fehlen eines echten formenden Geistes sorgt dafür, dass gewöhnlich nur eine einzige Anwendung möglich ist, bevor nicht allein die Kraft erschöpft ist, sondern sich auch die Muster verflüchtigen. Ich glaube allerdings nicht, dass wir an dieser Stelle mit prinzipiellen Problemen zu kämpfen haben - die Technik der Zauberapplikation bedarf schlichtweg noch einer Verfeinerung.

Zum jetzigen Zeitpunkt bedeutet dies jedoch, dass auf diese Weise hergestellte Flammenschwerter nur ein einziges Mal brennen, bevor sie erlöschen und neu verzaubert werden müssen.

Fazit

Die gestellte Aufgabenstellung ist auf vielfältige Art und Weise zu lösen, in Hinblick auf Kontrollierbarkeit, Aufwand und Kosten muss der Methode des freien Kraftfokus eindeutig der Zuschlag erteilt werden. Gelingt es uns herauszubekommen warum genau die Kunst der Alchemie eigentlich funktioniert, dann könnte die Arbeit damit wesentlich erleichtert werden - immerhin werden selbst komplexe Zauber auf diese Weise nachgebildet.