Alathar/Polemik wider die Krautzauberei

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Dieser Aufsatz befand sich im Privatbesitz des mittlerweile verstorbenen Schreibers Ephraim Ganterfuß in Ost-Britain, ging nach dessen Tod in den Besitz seines einzigen Erben Bartholomew von Aiderbrügge über, und wurde von diesem aufbereitet und der Bibliothek der Warte des weißen Sternenfeuers zur Verfügung gestellt.

Geheimnis:

Tatsächlich handelt es sich bei dem Erben Bartholomew von Aiderbrügge um ein Alias des Magiers Alathar, der auf diesem Wege weiterhin unerkannt bleiben will, gleichsam aber seine Werke (und damit seinen Namen) in bestimmten Kreisen bekannt zu machen versucht.

Polemik wider die Krautzauberei - Einführung

Der hier vorliegende Aufsatz aus dem Nachlass des Schreibers Ephraim Ganterfuß trägt im Orginal auf der letzten Seite eine Unterschrift des Namens Alathar, der bisher als Autor magietheoretischer Werke leider gänzlich unbekannt ist. Bei der hier in der Warte vorliegenden Abschrift habe ich mich bemüht, gewisse Unkenntlichkeiten des überalterten Orginals auszumerzen und dabei Sinn und Charakter des Werkes zu erhalten. Möge der Aufsatz dem geneigten Leser Denkanstoß und Erheiterung gleichermaßen sein.

  • Bartholomew von Aiderbrügge

Praeludium

Macht unseres Geistes sind wir Magier dazu in der Lage, das uns angeborene Talent zur Einflussnahme auf die Abläufe in unserer Umwelt zu nutzen und eine so genannte „Verbiegung“ der Wirklichkeit herbeizuführen. So verschieden unsere Theorien und Begrifflichkeiten zur Beschreibung dieser Phänomene sind, so unterschiedlich sind die Wege, auf denen wir diese in uns liegende Kraft erschließen. Einheitlich bleibt bei alldem jedoch immer, dass das Wirken von Magie eine im höchsten Maße geistige Disziplin ist, welche vor allen Dingen einen scharfen Verstand und unerschütterliche Willenskraft voraussetzt. Warum also sollte sich ein gelehrter Magier dazu herablassen, für eine derart auf dem Intellekt basierende Tätigkeit etwas so weltliches wie Kräuter zu verwenden?

Um diese Fragestellung zu erörtern wähle ich einleitend der Einfachheit halber ein weltliches Beispiel:

Die Hände eines Menschen sind die Verlängerung seines Geistes. Wie Fühler, ausgestreckt in die Realität, lassen sie das, was wir uns überlegen, was unser Geist an Ideen formt, Gestalt annehmen. So können wir Werkzeuge konstruieren, Rohstoffe bearbeiten und daraus Häuser bauen. Die Macht einer Idee überträgt sich durch unsere Hände in die Wirklichkeit, wodurch man einen Wald in eine Siedlung und einen unbehauener Steinquader in ein Kunstwerk von hohem kulturellem Wert verwandeln kann. Unsere Hände können also mit Fug und Recht als sichtbarer und erfahrbarer Teil unseres Verstandes bezeichnet werden. Sie sind ein in-einem-selbst liegendes, also ein inneres Hilfsmittel.

Ganz anders verhält es sich dagegen mit äußeren Hilfsmitteln, die hierbei klar von den in-einem-selbst liegenden abgegrenzt werden müssen. Ein Stock oder Stein ist erst einmal nichts weiter als eben das in seiner Gestalt gefangene Element der Außenwelt. Dieser Gegenstand ist möglicherweise an unseren Handlungen beteiligt oder das Ziel eben selbiger, er steht aber nichts desto trotz in keiner direkten Verbindung zu unserem Verstand. Im Vergleich zu unseren Händen, die als inneres Hilfsmittel zu einem ursprünglichen und filigranen Ausdruck unserer Gedanken in der Lage sind, vermag ein Stock oder Stein zwar Teil der daraus folgenden Handlung sein, ist damit aber gleichzeitig auch und vor allen Dingen ein Element der Außenwelt, in der besagte Gedanken verwirklicht werden sollen. Diese Verwirklichung ist gleichsam eine Veränderung, womit jedes äußere Hilfsmittel ebenfalls potenzielles Ziel dieser Veränderungen wird. Diese damit einhergehende Unterwerfung äußerer Hilfsmittel unter den Rahmen des in der Außenwelt möglichen reduziert den potentiellen Nutzen auf das beschränkte Maß des machbaren.

In einem ähnlichen Verhältnis stehen sich nun die beiden wesentlichen Zweige der unter Magiern verbreiteten Zauberkünste gegenüber. Diese verschiedenen Traditionen, die Spruchzauberei auf der einen, die Krautzauberei auf der anderen Seite, sollen nun vergleichend gegenübergestellt werden.

Argumente für die Spruchzauberei und wider die Krautzauberei

Es ist der Spruchzauberei essentiell zu Eigen, dass sie auf gesprochnen Formeln beruht. Die hierfür allgemein geläufigen „Worte der Macht“ stellen ein abstraktes Vokabular dar, mittels dessen Zaubersprüche formalisiert, standardisiert und für jeden gelehrten Magier einheitlich erfassbar und verständlich gemacht werden können. Im Bezug auf den hohen intellektuellen Anspruch, welchen wir an Hilfsmittel einer derart auf den Geist fokussierten Disziplin stellen, erscheint uns Sprache als im höchsten Maße geeignet, den Magier bei seinem Wirken zu unterstützen. Zum einen wäre da die unwiderlegbare Tatsache, dass Sprache und alle davon abgeleiteten Disziplinen (z.B. Literatur und Theater) ein eindeutiges Zeichen von hoher Kultur sind. Ein komplexes Vokabular ist dafür ebenso unabdingbar wie eine umfassende Grammatik. Abgesehen von ihrem kulturellen Status bildet die Sprache außerdem einen wesentlichen Grundpfeiler ernsthaften wissenschaftlichen Wirkens und Forschens, was seinerseits wieder Grundlage für magischen Fortschritt ist. Sprache selbst ist im höchsten Maße wissenschaftlich, da sie im Rahmen eines festgelegten Systems auf Basis von Konventionen und Regeln arbeitet.

Schließlich birgt Sprache noch einen weiteren für den Stand der Magier überaus wichtigen Aspekt: sie hat die Macht die Dinge zu benennen und sie damit gleichzeitig überhaupt erst zu erschaffen. Und genau dadurch wird unsere Welt und die sie durchdringende Magie für unseren Verstand greifbar. So ist beispielsweise ein Baum nie hinreichend mit nur einem Umstand definierbar: Ist ein Baum eine Pflanze aus Holz? Es gibt Pflanzen aus Holz, die keine Bäume sind. Ist ein Baum etwas mit Ästen und Blättern? Auch Buschwerk kann Äste und Blätter haben, ohne direkt ein Baum zu sein. Da die Dinge im Grunde nur nach Ähnlichkeiten definiert oder zusammengefasst werden können, bedarf es eines eigenen sprachlichen Ausdruckes. Ohne diesen existiert das Ding nicht, beziehungsweise war es vorher nie da.

Weiterhin macht die Sprache nicht nur die uns umgebende Welt für unseren Verstand greifbar beziehungsweise existent, es ist auch gleichsam unmöglich außerhalb von Sprache zu denken. Sie ist damit die absolut wesentliche Seinserschließung, mit der sich unser Verhältnis zur Welt konstituiert. Es liegt also in der Macht unseres Verstandes, die Welt durch Sprache greifbar und überhaupt existent zu machen. Die dabei benutzten Worte haben ihren Ursprung in unserem Geist. Der unserer Umwelt mittels Spruchzauberei aufgezwungen Wille zur Veränderung in unserem Sinne beruht also einzig und alleine auf uns selbst.

Wesentliches Kennzeichen der Krautzauberei ist der Verbrauch von materiellen Substanzen während des Zaubervorganges. Vornehmlich dient die Nutzung dieser Komponenten der Entlastung des eigenen Geistes und generellen Vereinfachung gewünschter magischer Effekte. Der Ursprung für diese Zaubertradition scheint in der naturverbundenen Scharlatanarie zu liegen, deren Vertreter sich im Allgemeinen Druiden zu nennen pflegen. Diese sehen die Grundlage ihrer Kräfte in der sie umgebenden Natur, mit deren Kreislauf sie zu harmonieren suchen. Ordnen wir die Krautzauberei also auf eine der Spruchzauberei ähnliche Art und Weise in ihrer kulturellen Bedeutung ein, so lässt sich, unter Berücksichtigung der bereits genannten Aspekte, diese Tradition eindeutig einer Entwicklungsstufe von Jägern und Sammlern zuweisen.

Abgesehen von den damit offensichtlich nicht erfüllbaren kulturellen Ansprüchen stellen die gängigen Kräuter kein ordentliches Hilfsmittel im Sinne der Wissenschaft dar. Die vorgefertigten Muster in den nutzbaren Substanzen können, auch mit Rückblick auf den Ursprung ihrer Nutzung, am ehesten im Bereich schamanistischer Foki eingeordnet werden. In dieser Sparte der Rausch- und Genussmittel, welche wie Weihrauch verbrannt und eingeamtet, geraucht, gekaut oder gekocht werden, ist die Krautzauberei indes wesentlich besser aufgehoben, als im Bereich ordentlicher Wissenschaften. Einzig sekundäre Disziplinen wie die Alchemie oder nicht-magische Heilkunde bilden hier Ausnahmen.

Schlussendlich erscheint der Rückgriff auf die Krautzauberei für einen ordentlichen Magier mehr als unpassend. Die benutzten Substanzen, deren Energie feste Muster liefert, sind Teil eben jener Ebene, die wir Magier zu verändern versuchen. Wenn wir also eine in unserem Verstand liegende Idee mittels unserer Gabe gestalt annehmen lassen, dann verunreinigen derartige Zusätze ohne geistigen Ursprung, womit materiell existierende Substanzen gemeint sind, den gewünschten Effekt und beflecken den Grad an mentaler Reinheit eines Zaubers.

Conclusio

Die Eigenschaften der verschiedenen Zaubertraditionen sind grundlegend dargestellt und beurteilt worden. Das Für und Wider lässt eindeutig erkennen, dass ein gelehrter Magier keinen sinnvollen Grund hätte, sich einem so schmutzigen Zweig wie der Krautzauberei zu widmen. Sie zu praktizieren entspricht in keiner Weise dem hohen kulturellen und geistigen Anspruch, der an die magische Wissenschaft gestellt wird. Die Spruchzauberei hingegen beruht nicht nur auf der Grundlage, die dem Geist entspringenden Ideen und Gedanken überhaupt sprachlich ausformulieren zu können, sondern lässt einen Zustand aktiver Zauberei zu, die den Magier in eine Position versetzt welche ich fortan Autarkia nennen möchte. In diesem Idealzustand kommt ein ordentlicher Magier unabhängig von seiner Umwelt bei der Einflussnahme auf die selbige mit den Dingen und Hilfsmitteln aus, die in ihm selbst liegen.