Zodiac/Die Grammatik der Lingua Magica

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von Lady Zodiac the Sorceress

(Stand: 13.12.2000)

Prolog

Die Worte der Macht spielen eine wichtige Rolle bei der Strukturbildung eines Zauberspruchs. Sie stellen eine Art Baukastensystem zur Verfügung und vereinfachen so, bzw. ermöglichen dadurch erst, den hochgradig komplexen, gestalterischen Gedankenbildungsprozess und somit Strukturgebungsprozess innerhalb des arkanen Gewebes.

Im meinem Grundlagenwerk über die Kunst der Magie in der Schattenwelt, beschrieb ich den Umstand, dass die Ligua Magica der Schattenwelt Halbebene keinerlei festen grammatikalischen Regeln unterworfen sei. Dieser Aussage möchte ich hier nun widersprechen. Weitere Forschungen auf diesem Gebiet haben gezeigt, dass die Lingua Magica sehr wohl eine, wenn auch recht rudimentäre, grammatikalische Struktur aufweist, die in dieser Arbeit näher erörtert wird.

Diese Arbeit basiert auf den folgenden zwei Abhandlungen:

  • Die Morphologie der Lingua Arcana von Eirias Cyflychwyr, Old World (freundlicherweise veröffentlicht von Elvarryn, Old World & Schattenwelt)
  • Die Syntax der Lingua Magica (ein Grundregelwerk der semantischen Satzsyntax) von Faight Gorham, Old World

Die Semantik

Untersucht man die Komponenten der Lingua Magica der Schattenwelt Halbebene genauer, so stellt man fest, dass die 26 einzelnen Worte (mit einer einzigen Ausnahme) stets nur aus einer einzelnen Silbe bestehen. Deren Semantik beschränkt sich auf wenige (manche sogar nur auf eine) umgangssprachliche Übersetzungen, welche jeweils kontextsensitiv mit der verwendeten Applicatio auszuwählen ist.

Die Morphologie

Die Morphologie ist vollkommen invariabel, so dass keine Deklinationen, Temporalformen, Pluralformen oder ähnliches bekannt sind. Sätze werden durch simples Aneinanderfügen der Worte gebildet.

Die Syntax nach Faight Gorham

Die Syntax folgt einigen grundlegenden Regeln, wie sie in der äußerst bemerkenswerten Arbeit „Die Syntax der Lingua Magica (ein Grundregelwerk der semantischen Satzsyntax)“ von Faight Gorham, Old World dargestellt werden.

Wortformen

In der Lingua Magica sind die folgenden Wortformen bekannt:

Worte ohne Bezug

  • Verben
  • Substantive

Worte mit Bezug

  • Adjektive (bezogen auf Substantive)
  • Adverben (bezogen auf Verben oder Adjektive)

„Das Verbum definiert immer den Focus. Das Substantivum bestimmt das Ziel auf das der Focus gerichtet ist. Adjectivi umschreiben die weiteren Eigenschaften eines Substantivum in Bezug auf die Wirkung der Applicatio. Adverbae auf der anderen Seite beschreiben die weiteren Umstände des Focus selbst oder einer beschreibenden Eigenschaft, also auf Verbum oder Adjectivum bezogen.“ (zitiert nach Faight Gorham).

Bei der Formulierung von Sätzen kann ein Wort grundsätzlich jede der obengenannten Wortformen annehmen, wobei es jedoch einige logische Ausschlüsse gibt. So tritt beispielsweise das Wort Vas nicht als Substantiv oder Verb in Erscheinung.

Beispiel für die verschiedenen Wortformen des Wortes Ort:

  • Ort Por Ylem – Ort als Adverb bezogen auf das Verb Por – bewege auf magische Weise Materie
  • Por Ort Grav – Ort als Adjektiv bezogen auf das Substantiv Grav – bewege magisches Feld
  • An Ort – Ort als Substantiv – hebe auf, negiere Magie
  • Vas Ort Grav – Ort als verb – energetisiere (mit magischer Energie) großes (starkes) (Energie) Feld (wobei Vas sich als Adverb aber auf das Verb Ort bezieht) daher besser: starkes Energetisieren eines Feldes (substantiviertes Verb, siehe dazu weiter unten)

In manchen Situationen kann es angebracht sein, aus Gründen der Verständlichkeit und des Wohlklangs der Übersetzung von der Syntax ein wenig abzuweichen. Zum Beispiel Vas Ort Grav – erzeuge großes/starkes magisches (sich entladendes) (Energie) Feld. Hier wird dann das latent vorhandene Verb In gedanklich hinzugefügt und Vas und Ort wandeln sich in ein Adjektiv. Strenggenommen ist diese Übersetzung weniger akkurat, da sie nicht mehr den Regeln der Syntax entspricht, ist aber wohlklingender.

Obiges Beispiel hat bereits weit vorgegriffen in Bezug auf die Regeln des Satzbaus der Lingua Magica. Diese werden im folgenden dargelegt.

Regelwerk der Satzsyntax

Das Verb

in Satz aus der Lingua Magica beinhaltet stets ganz genau ein Verb und mindestens ein Substantiv oder ein Adverb. Somit besteht ein Satz also aus mindestens zwei Worten (eins davon zwingend ein Verb). Das Verb steht stets zu Beginn des Satzes (möglicherweise eingeleitet durch Adverben).

Bei der Übersetzung tritt manchmal das Problem auf, dass das Verb aufgrund grammatikalischer Regeln unserer Umgangssprache nicht in seiner eigentlichen Verbform übersetzt werden kann. Abhilfe schafft hier dann die substantivierte Form des entsprechenden Verbs. Obwohl es sich dann laut grammatikalischer Regeln der Umgangssprache um ein Substantiv (substantiviertes Verb) handelt, zählt es nach wie vor als ein Verb des Regelwerks der Lingua Magica.

Beispiele:

  • Vas Flam – großes Verbrennen – Flam ist das Verb, Vas ein Adverb
  • Flam Sanct – flammenartiges Schützen – Sanct ist das Verb, Flam ein Adverb
  • Ex Uus – (bewegungs)freiheitbringendes Erhöhen – Uus ist das Verb, Ex ein Adverb

In solchen Fällen wird wiederum oft leicht von der reinen syntaxbezogenen Übersetzung abgewichen, um mehr Wohlklang zu erhalten. Zum Beispiel Vas Flam - große Flamme, großes Feuer, großer Feuerball. Flam Sanct - (reaktiver) Flammenschutz, Flammenverteidigung, (reaktive) Flammenrüstung. Ex Uus - Bewegungsfreiheit erhöhen, Geschicklichkeit erhöhen.

Das Substantiv

Das Substantiv folgt auf dem Verb (möglicherweise eingeleitet durch Adjektive). Mehrere Substantive werden hintereinander gereiht (wiederum möglicherweise je mit einleitenden Adjektiven). Diese nachfolgenden Substantive beziehen sich direkt auf die vorangestellten.

Beispiele:

  • In Lor – erzeuge, erschaffe Licht – In ist das Verb, Lor ein Substantiv
  • An Lor Xen – negiere das Licht einer Kreatur – negiere ist das Verb, Lor das erste Substantiv, Xen das zweite Substantiv und bezieht sich direkt auf Lor – weicht man von der Syntax etwas ab, so ist auch folgendes möglich: verdunkle Kreatur

Das Adjektiv

Das Adjektiv wird dem Substantiv, auf welches es sich bezieht, vorangestellt. Mehrere Adjektive, die sich auf ein und dasselbe Substantiv beziehen, werden dabei aneinander gereiht, und stehen somit alle vor diesem Substantiv.

Beispiele:

  • In Por Ylem – erzeuge sich bewegende Materie – Por ist ein Adjektiv
  • In Jux Hur Ylem – erzeuge schadenbringende, aus Wind geformte (in Form eines Geistes) Materie – Jux und Hur sind zwei Adjektive, die sich auf das Substantiv Ylem beziehen
  • Flam Kal Des Ylem – verbrenne beschworene, herabfallende Materie – Kal und Des sind zwei Adjektive, die sich auf das Substantiv Ylem beziehen
  • Kal Vas Xen An Flam – beschwöre große Kreatur des negierten Feuers – Vas ist ein Adjektiv, das sich auf das Substantiv Xen bezieht und An ist ein Adjektiv, das sich auf das Substantiv Flam bezieht

Das Adverb

Das Adverb wird dem Verb bzw. Adjektiv auf das es sich bezieht vorangestellt. Wiederum werden mehrere Adverben, die sich alle auf ein und dasselbe Verb bzw. Adjektiv beziehen, aneinandergereiht und stehen somit allesamt vor diesem Verb bzw. Adjektiv.

Beispiele:

  • Vas An Nox – ausgedehntes, starkes Negieren von Gift – Vas ist ein Adverb und bezieht sich auf das Verb An * ein Beispiel für ein Adverb, welches sich auf ein Adjektiv bezieht, kann ich nicht liefern, da keine allgemein bekannte Applicatio hierzu bekannt ist
  • Vas Corp Por – großes tödliches Bewegen (in Form eines Energiestrudels, bzw. auf der Schattenwelt in Form eines Efreets bzw. Luftelementars) – Vas und Corp sind Adverben und beziehen sich beide auf das substantivierte Verb Bewegen

Epilog

Auf den ersten Blick scheinen die Regeln ein wenig komplex. Hat man sich jedoch ein wenig mit ihnen befaßt, bemerkt man, dass sie sehr einfach sind und man sie sich schnell verinnerlichen kann. Der große Nutzen dieses Regelwerks kommt dann zum tragen, wenn man neue, einem noch unbekannte Sprüche auf ihre mögliche Wirkung hin analysieren will. Da man relativ schnell erkennen kann, welche Wortformen die einzelnen Worte der unbekannten Applicatio haben müßten, kann man eine erste grobe Übersetzung schnell herleiten. Für eine wohlklingendere Übersetzung besteht dann immer noch die Möglichkeit das Grammatikgebäude der Lingua Magica zu verlassen.

In diesem Sinne, zum Wohle der Magieforschung!

Zodiac the Sorceress.

Anhang: Kleines Begriffslexikon

Grammatik: Das einer Sprache zugrundeliegende Regelsystem

Semantik: Wortbedeutungslehre

Etymologie: Wissenschaft von der Herkunft und Geschichte der Wörter

Syntax: 1. Wissenschaft von den Beziehungen der sprachlichen Elemente im Satz 2. Satzbau, korrekte Art und Weise sprachliche Elemente zu Sätzen zu ordnen

Morphologie: Wissenschaft von den Gestalten und Formen (hier: der Sprache, Formenlehre, Zusammensetzung der Morpheme zu Worten)

Morphem: Kleinste bedeutungstragende Gestalteinheit in der Sprache, bestehend aus einem Wort oder Wortteil, das nicht unterteilt werden kann ohne die Bedeutung zu verlieren (ungleich Silben)

Adverb: Ein Wort (oder Gruppe von Wörtern), das ein Verb, ein Adjektiv, weitere Adverben oder einen ganzen Satz beschreibt oder weitere Bedeutung hinzufügt

Anhang: Auszug aus der Korrespondenz bzw. Diskussion

>>> Das Grundlagenwerk, auf dem die Grammatik der Worte der Macht beruht

> In diesem steht 'Das Verbum muss immer zu beginn des Satzes vorkommen' (oder so ähnlich). Und als Beispiel für sprachliche Schwierigkeiten wird dann 'VAS FLAM' gebracht. Schade nur, dass da das Verb am Ende steht und nicht am Anfang. Habe ich da etwas falsch verstanden?

Ja etwas. Auch bei VAS FLAM steht das Verb an "erster Stelle". Es wird lediglich eingeleitet durch das Adverb VAS. Es beschreibt das Verb FLAM genauer. Im Prinzip werden nur die Verben und die Substantive betrachtet, Adverben und Adjektive beschreiben diese lediglich genauer und haben sozusagen dadurch eine geringere Priorität. Man könnte es mit einer Art Klammersetzung vergleichen.

z.B. (Vas An) Nox (Vas An) Ort

In Klammern steht das Verb, das jedoch näher beschrieben wird durch ein Adverb. Das Verb (der ganze Klammeraudruck) steht "an erster Stelle". Gut dies ist wirklich etwas unglücklich ausgedrückt. Vielleicht sollte man das mal etwas anders beschreiben.