Tmavitnost/Vom Wesen der Magie
Neue Theorien bezüglich der Beschaffenheit der einzig wahren arkanen Macht;
Die „Wellentheorie“ als Grundlage eines ParadigmenwechselsEinführende Worte und Vorbemerkungen
Die Vernunft der Menschen und insbesondere jener, die mit, vereinfacht formuliert, besonderer Begabung, nämlich der Fähigkeit zum Benutzen der Magie, gesegnet sind, hat ein besonderes Schicksal zu erdulden in einer Gattung ihrer Erkenntnisse: Sie ist durch Fragen belästigt, die sie nicht abweisen kann, denn sie sind ihr durch die Natur der Vernunft selbst aufgegeben, sie kann sie aber auch nicht vollends beantworten, denn sie übersteigen alles Vermögen der menschlichen Vernunft. Wer nun also behaupten würde, er hätte das Wesen der Magie vollends durchschaut, dem müsste ins Gesicht gelacht werden, dass er sich solcher Anmaßungen bedient. In die oben erwähnte Verlegenheit indes gerät die Vernunft ohne jegliche Schuld. Die Theorien des arkanen Netzes etwa fußen auf Grundsätzen, deren Gebrauch im Laufe der Erfahrung unvermeidlich und zugleich durch diese hinreichend bewährt ist, zumindest für jene, die dieser Schule angehören. Mit diesen nun war es den Magi und anderen Forschern seit jeher möglich, zu immer höher entfernten Bedingungen zu aufzusteigen, wie dies die Natur der Vernunft mit sich bringt. Da es ihnen aber gewahr wurde, dass auf diese Weise ihr Geschäft jederzeit unvollendet bleiben musste, weil sich die Fragen niemals und in keiner Weise erschöpfen würden, entwickelten sich Theorien und Grundsätze, die sowohl den menschlichen Erfahrungsbereich überschreiten als auch gleichwohl so unverdächtig erscheinen, dass auch die gemeine Menschenvernunft des profanen Volkes damit im Einverständnis stehen konnte, man denke nur an die zahlreichen klerikalen Ergüsse wie die Zuschreibung sämtlicher arkaner Phänomene zu einem Gott, welchem auch immer. Dieser Vorgang hatte gewiss den Vorteil, dass ihm eine bequeme Geisteshaltung zugrunde lag. Natürlich war dies nicht in jedermanns Sinne, schließlich war klar, dass solche Versuche in geistlicher Umnachtung und in Widersprüche münden würden, aus denen absehbar war, dass irgendwo verborgene Irrtümer zum Grunde liegen mussten, allein waren diese nicht zu entdecken, weil die Grundsätze, derer man sich bediente, keinen Probierstein der Erfahrung mehr anerkannten, da sie über jedwede mögliche Grenze der Erfahrung hinausgehen. Ein Beispiel: Wer könnte schon sagen, wie alles Sein wirklich entstanden ist, niemand hat es verfolgt beziehungsweise war dabei, die klerikale Deutung kann genauso gut falsch wie auch richtig sein. Dies impliziert logischerweise, dass wahre Erkenntnis ohne Erfahrung nicht möglich ist: Jemandem, der das Fundament seines Hauses untergräbt, hätte man sagen können, dass dies passiert, er hätte nicht auf die Erfahrung warten dürfen, dass es wirklich einfiele, gleichwohl könnte man dies erfahrungsfrei nicht beurteilen, da die Erkenntnis, dass Körper nun einmal schwer sind, ihm nur durch Erfahrung zugänglich wurde. Ganz ähnlich natürlich verhält es sich nun bei der Interpretation der Phänomene, welche man der Magie zurechnete. Theorien wurden entwickelt, deren Geltungsanspruch so umfassend war, dass sie durch die unmittelbare Erfahrung nicht mehr überprüft werden konnten.
Die in dieser Arbeit vorgestellten Gedanken und die aus ihnen schlussendlich resultierten Forschungsergebnisse stellen eine solch umfassende Interpretation dar und sind das Ergebnis eines intensiven Prozesses, der zu akzeptieren für so manchen Leser nicht leicht sein wird. Der Anspruch greift sowohl in die der Akademie als obligatorisch geltende Theorien wie auch in festgefahrene Denkmuster ein, die aufzubrechen eine weit über diese Arbeit hinausgehende Anstrengung erfordern wird. Wie jeder Grundsatz verlangt der meine 2 Kriterien: Notwendigkeit sowie strenge Allgemeinheit. Der erste Punkt erklärt sich denke ich von selbst, zum zweiten sei angemerkt: Natürlich sind die durch meine Erfahrungen und Forschungen festgelegten und festgeschriebenen Annahmen niemals vollkommen wahre Urteile, sie besitzen allgemeine oder auch komparative Allgemeinheit, das heißt sie wurden durch die in der Wissenschaft übliche Methode der Induktion getroffen (also vom besonderen Phänomen auf eine allgemeine Regelmäßigkeit schließend).
Zur inhaltlichen und formalen Struktur sei gesagt, dass die Arbeit in 2 Teile gegliedert ist, der erste Teil umfasst theoretische Aspekte, unter anderem die Vorstellung der „Wellentheorie“ und der Schlussfolgerungen daraus, der zweite gilt der Bearbeitung des Phänomens, das den Autor erst auf die Idee brachte, sich auch theoretisch in unsicherere Fahrwässer zu begeben, als er dies gewohnt war: Der „Schicksalsmagie.“
Ad 1) Die „Wellentheorie“
Die uns allen bekannte Theorie der ehrenwerten Lady Zodiac spricht von einem astralen Netz, das aus Fäden besteht, und das uns alle umgibt, mehr noch, wir stellen selbst Knotenpunkte dieses Netzes dar. (siehe Zodiac: Die Theorie des arkanen Gewebes)
Indes, bei jeder praktischen Zauberanalyse stellte sich jedoch für den Autor der Vorgang folgendermaßen dar: Er war zwar in der Lage, Fäden zu erblicken, sie hatten diese oder jene Gestalt, allein, es war nicht möglich zu entdecken, warum der Effekt, der eintrat, schließlich seine Ausformung erlebte. Die Behauptungen von einem Energiefluss wurden nie genauer ausgeführt und waren auch nicht in einem ordentlichen theoretischen Gewebe eingebettet. Die Frage war unausweichlich: Was konnte also die tatsächliche Wirkung ausgelöst haben? Es ist natürlich allgemeiner Konsens und Konvention unter den entsprechenden Wissenschaftlern, dass die Magie mehr darstellt, als sich durch eine einfache astrale Hellsicht dem Beobachter darbietet. Besondere Beachtung ist nun hier auf einen wichtigen Punkt zu legen: Die Interpretation von Phänomenen ist immer an die Reproduktion durch die gesammelten Sinne des Magus oder der Maga gebunden. Da es nicht möglich ist, Magie zu „sehen“, ist es unausweichlich, andere Betrachtungsweisen anzuwenden. Der Meinung des Autors nach ist die Einschätzung der Magie als Teil eines Netzes, wenn sie nicht überhaupt vollkommen aus der Luft gegriffen ist, eine gewaltige Fehlinterpretation und erklärt in keiner Weise die Wirkung der arkanen Phänomene. Einem geübten Betrachter des arkanen Netzes bleibt gar nichts anderes übrig, als die Feststellung, dass dieses zumindest für den Vorgang des Zauberns selbst komplett irrelevant ist.
Die Annäherung an die nunmehr folgende Hypothese entstand aus der Überlegung, dass Magie mannigfaltig wahrnehmbar ist. Zur praktischen Analyse, die zur Erfassung der Kraftströme angewendet wurde, sei angefügt, dass besonderes Augenmerk auf die Fähigkeit der arkanen Phänomene gelegt wurde, das Unterbewusstsein zu stimulieren, dieses wiederum ist maßgeblich dafür verantwortlich, welchen Stimmungslagen, Emotionen und Gedanken der menschliche Verstand unterworfen ist. Um das Ganze mit einem Sinn in Verbindung zu bringen, kann eine Ähnlichkeit mit dem Tastsinn als am sinnvollsten erachtet werden, die Kraftströme werden „ertastet“, sobald diese den Geist berühren. Diese Überlegung traf der Autor aus Veranschaulichungsgründen. Das Ziel war es nun, die aus diesem Prozess entstehenden Gedanken bewusst wahrzunehmen und aus einer gewissenhaften Reproduktion und Vergegenwärtigung beziehungsweise Betrachtung ähnlicher Phänomene auf die generelle Natur derselben und somit auf die direkte Wirkungsweise zu schließen, wie es jeder induktiven Arbeitsweise entspricht, gleichwohl diese auf intuitiver Natur beruhte und beruht. (Siehe: Oben erwähnter Vergleich mit dem Tastsinn). Dieser Prozess scheint anfangs zeitraubender Natur und erst nach zahlreichen Stunden intensiv erweiterter Erfahrungsbasis möglich, jedoch verkürzen sich mit quantitativen Anstrengungen diese Zeiträume beträchtlich.
Aus all diesem ergab sich folgende Hauptbetrachtung:
Kern-Hyptothesis 1:
Jedes beliebige Objekt, diejenigen, die mit der Vernunft begabt in großem Maße mehr als jene ohne, senden zu jeder Zeit und an jedem Ort Wellen aus, eine Kraft, die in ständiger Interdependenz, also wechselseitiger Abhängigkeit, mit den sie umgebenden Objekten aus der jeweiligen Resonanz jene Kraft entstehen lässt, die wir als Magie bezeichnen. (Anmerkung des Autors: Die Kategorisierung und Begriffsgebung als „Welle“ entstand mit der Erkenntnis, dass diese Kraft keineswegs einen konstanten Fluss darstellt, sondern eben wie Wellen an einen Strand sich bricht.) Überspitzt formuliert, kommuniziert so jeder Grashalm mit jedem Baum.
Der Magus ist streng genommen gar nicht fähig, irgendwelche Felder zu manipulieren, er bedient sich der bereits vorhandenen Strukturen und teilt dem Stück Holz beispielsweise mit, dass es verbrennen solle. Dies geschieht nicht direkt aufgrund seines Verstandes oder seines Geistes, (wiewohl er den Geist noch sehr wohl benötigt, um überhaupt auf jene Idee zu kommen) sondern ist lediglich eine Folge der Kommunikation mit dem Holz. Das Holz ändert seinen Zustand sozusagen „freiwillig“, sobald es die Information erhält, dies zu tun. Dies impliziert natürlich, dass sich jedes Objekt nicht aus sich selbst definiert, sondern einzig und allein aus der Verbindung mit den in der Umgebung befindlichen Wellen, die sich in ständiger dynamischer Veränderung befinden. Die Art der Kommunikation nun begründet die eigentliche Stärke oder Kraft des Magiers, denn die Befehlsgebung liegt außerhalb der das Gehirn betreffenden Strukturen, wie gleich weiter ausgeführt werden wird. Als Folge der veränderten Wellen, mithilfe derer der Anwender schließlich die veränderte Information transportiert, lässt sich eine unvermeidliche Schwächung der von ihm selbst ausgestrahlten Wellen feststellen, der Magier hat somit nach einer gewissen Zeit keine Möglichkeit mehr, genügend Information auszusenden, da sich sein „Speicher“ an übermittelbarer Information erschöpft hat. Die körperlichen Nebenwirkungen wie Erschöpfung, sowohl physisch als auch intellektuell, sind als Folge der Kontaktaufnahme zu begründen, die jeweiligen Funktionen des Körpers sind jedoch am eigentlichen Zaubervorgang NICHT beteiligt. Nun stellt sich hier für den geneigten Leser natürlich die Frage, wie es überhaupt möglich sein kann, dass ein Magus oder eine Maga diese Information aussendet, insbesondere dann, wenn doch jeder beliebige Bauer, ja sogar jedes eindeutig tote Stück Fels Wellen aussendet, die in ihrer Intensität, zumindest den Forschungen des Autors nach, genau gleichwertig sind. Die Antwort liegt darin begründet, dass der Magier in der Lage ist, die genaue Natur –siehe Kern-Hypothesis 2- der ausgesendeten Wellen zu erkennen, und somit mit ihnen zu kommunizieren.
Die Art der Kommunikation begründet die eigentliche Stärke oder Kraft des Magiers, denn die Befehlsgebung liegt außerhalb der das Gehirn betreffenden Strukturen. Der Vorgang lässt sich veranschaulichen: So wie ein Stück Eis in Wasser nur etwa zehn Prozent seiner Gestalt über Wasser hält, so ist der Prozess der Kontaktaufnahme größtenteils einer unbewussten, eher intuitiv anmutenden Aktion zu verdanken. Der Bauer könnte zwar den Willen und die daraus folgende Idee aufbringen, den lästigen Schädling mittels arkanem Feuer zu verbrennen, indes, er ist nicht in der Lage mit den nötigen Wellenstrukturen zu kommunizieren, mehr noch, er ist gar nicht in der Lage, die Wellen überhaupt wahrzunehmen. Diese bleiben nämlich jedem der arkanen Macht, die sich aus der Auffassung des Autors alleinig aus der Tatsache definiert, dass sie eine Möglichkeit der Kontaktaufnahme darstellt, nicht mächtigen Lebewesen verschlossen. Es kann der Fall eintreten, dass sich ein Objekt mit der veränderten Information von 2 oder mehr Magiern konfrontiert sieht. Dieser Konflikt kann ähnlich betrachtet werden wie die traditionelle Version vom Energieausgleich im arkanen Gewebe, natürlich besitzt der Magier, der eine größere Übung und Erfahrung hat, den Status des Überlegenen. Die Realität beugt sich immer nur dem Willen des Stärkeren.
Ad 2) „Schicksalsmagie“
Um also die Wirkungsweise der jeweiligen Wellen zu verstehen, muss eine genauere Betrachtung auf die ihnen innewohnende Natur und ihre zugrunde liegenden Strukturen gelegt werden, welche sich dem Betrachter erst offenbart, wenn er in der Lage ist, sie überhaupt wahrzunehmen. Dieser Vorgang, der durchaus Ähnlichkeit mit einer gewöhnlichen astralen Hellsicht besitzt, wurde bereits beschrieben, wichtig ist hier noch festzuhalten, dass die Sensibilisierung auf einzelne Objekte eine gewaltige Schwierigkeit darstellt, da die Überlagerungen mit anderen ausgesandten Wellen beträchtlich sind. Um also den angesprochenen Grashalm in einer weiten Wiese zu erfassen, ist der Magus oder die Maga auch auf gewöhnliche Sinne wie den Sehsinn angewiesen, um die nötige Lokalisierung und die damit einhergehende Fixierung zu erreichen. Auch andere Sinne erscheinen durchaus geeignet, etwa bei der Erfassung und der darauf folgenden Beeinflussung eines akustischen Signals wie einer Stimme. Zahlreiche andere Beispiele lassen sich finden, wichtig ist, dass der Magus wohl nur in sehr beschränktem Maße alleinig über den Weg der praktischen Analyse an sein Ziel kommen wird, ebenso wie er nach der traditionellen Vorstellung zur Fokussierung und Erleichterung auf die Worte der Macht und die Paraphernalia angewiesen ist. Dies hat zwar rein gar nichts mit dem Zaubervorgang an sich zu tun, das Medium ist natürlich nicht die Umgebung, der Magus aber muss ja wissen, welches Ziel er ansteuern will.
Die Forschungen, die die nächste Hypothese begründen, waren anfangs von einer sehr spekulativ anmutenden Grundtendenz überschattet, um es genauer zu formulieren, der Autor war um seine Reputation besorgt, da die verwendete Sekundärliteratur in dem Rufe stand, von Kollegen verfasst zu sein, deren Ansehen sich unter Magierkreisen eher als Randgruppe äußerte. Nichtsdestotrotz waren die gefundenen Hinweise teilweise einer genaueren Betrachtung wert. An dieser Stelle ein Zitat, der Autor des zu zitierenden Werkes verwendet selbstverständlich noch die alte Theorie des arkanen Netzes:
Und Siehe! Die Fäden begannen sich zu entwickeln, wie ich es vorausgesehen hatte, und dies ohne mein Zutun. Sie verändern sich in stetiger Form, nie scheinen sie sich zufrieden zu geben mit ihrer momentanen Form. Sie verfolgen ihre Ziele als Teil eines gewaltigen Planes, den nur der Schöpfer selbst zu stricken in der Lage sein konnte! Denjenigen Toren aber, die da behaupten, dass jene, die die Zukunft gesehen haben, als Scharlatane zu entlarven sind, bleibt nur zu sagen, dass sie ewig und für immerdar in ihrem finsteren Loch der Unwissenheit sitzen bleiben werden, nie werden sie der göttlichen Vorhersehung teilhaftig werden und ihre Herrlichkeit und die des allumfassenden Planes begreifen. - Kera Mondaine: De Nobilis, 32 v.Z. Am Rande als interessant zu verbuchen ist, dass die Maga anscheinend Anhängerin einer klerikalen Deutung war, was etwas ungewöhnlich scheint, indes, wichtig ist die erstmalige Andeutung einer Richtung oder Tendenz, die den „Fäden“, wie sie sie nennt, innewohnt.
Ausgehend von zahlreichen Versuchen, die getroffen wurden, um die Natur jener Ströme herauszufinden, denen der Begriff „Welle“ zugeordnet wurde, ergaben sich folgende Hauptannahmen:
Kern-Hypothesis 2
Die genaue Natur der Wellen zu erfassen ist nicht möglich, da sie sich jeder genaueren Betrachtung entziehen, gleichwohl ist es sogar irrelevant, welcher Art sie sind. Die Wellen, die ausgesandt werden, sind in keiner Weise statischer Natur, sie werden, wie bereits erwähnt, durch eine konstante Interpendenz mit den sie umgebenden und mit ihnen korrespondierenden Wellen in beständiger Weise geformt; jedoch nicht nur das, der Autor behauptet, dass sie diesen Kontakt niemals durch zufälligen und willkürlich stattfindenden Austausch bewerkstelligen, sondern dass jedes einzelne Objekt und daraus folgend natürlich alle von ihm ausgesandten Wellen an ein Schicksal gebunden ist. Dieses hat großen Einfluss auf die eigentliche Natur des Objektes und es ist nicht in der Lage, diesem Schicksal zu entrinnen. Die terminologische Entsprechung für Magier, die sich bereit erklären, sich dieser Tatsache anzunehmen, lautet „Schicksalsmagie“.
Es scheint angebracht, zu betonen, dass sich diese Interpretation außerhalb jeder klerikalen bewegt, nicht ein Gott ist es, der der Magie seinen Willen aufzwingt und sie in eine bestimmte Richtung lenkt, die Betrachtung muss an ihr selbst durchgeführt werden, um herauszufinden, welcher Richtung sie folgt. Die Berufung auf ein Schicksal impliziert, dass die Wellen oder auch die Objekte in konstanter Manier einen Zustand anstreben, möglicherweise einen Urzustand, an dessen Erfüllung sie nur die Tatsache hindert, dass sie in erwähnter Interpendenz stehen und der Prozess somit verlangsamt wird. Die Tatsache, dass ein Grashalm zu welken beginnt, ist somit nur dadurch zu erklären, dass er eben eine solche Tendenz hat. (Dem daraus logischerweise folgenden Einwand, dass beispielsweise ein Stein keinerlei Tendenz zeigt, sich zu verändern, es sei denn, er macht Bekanntschaft mit einer zwergischen Spitzhacke, sei entgegnet, dass wir, die wir die Zeit als eine Selbstverständlichkeit annehmen und von ihr in größter Weise abhängig sind, nicht in der Lage sind, diesen Prozess aus einer angemessenen Ferne zu sehen. Dies ist, wie später zu zeigen ist, jedoch gar nicht entscheidend.) Eine Richtung nun zu verfolgen ist jedoch von bedeutender Schwierigkeit, da die unterschiedliche Natur der Wellen nicht abgestritten werden kann, eine genaue Analyse kommt eher zu dem Schluss, dass keine Welle wie die andere ist, eine genaue Untersuchung alles vorkommenden Arten muss als utopisch aufgegeben werden. Hier kommt wieder die induktive Arbeitsweise zur Anwendung, die Untersuchung beschränkte sich auf einzelne Wellen, von diesen lässt sich dann auf allgemein gültige Sätze schließen.
Es seien nun der Terminologie 2 weitere Begriffe hinzugefügt: Jener Prozess oder jene Tendenz, die ausschlaggebend ist, wird als „wahre Tendenz“ bezeichnet. Analog dazu lässt sich eine Schlussfolgerung auf den zu erwartenden Zustand schließen, der am Ende der wahren Tendenz steht, dieser wird als „wahrer Zustand“ bezeichnet. Jetzt lässt sich ein Querverweis auf die erste Hypothese anstellen: Der Magier ist in der Lage, die wahre Tendenz zu erkennen, er gibt jedoch dem Objekt eine andere Information, die dann als die neue Tendenz verfolgt wird, um den neu gesetzten wahren Zustand zu erreichen. Die Resistenzen, die gewisse Objekte Zaubern entgegensetzen, etwa der Widerstand eines Steines, zu verbrennen, lässt sich daraus erklären, dass die Tendenz desselben, zu Asche zu werden, relativ schwach ausgeprägt ist. Diese Bereitschaft der Wellen, verschiedene andere wahre Tendenzen als die ursprünglich angestrebte anzunehmen, bezeichnet der Autor als „wahre Rektion“. Logischerweise besitzt ein jedes Objekt unendlich viele Rektionen, die sich auf verschiedene andere Tendenzannahmen beziehen. Aus diesem leitet der Autor auch die unterschiedliche Schwierigkeit der Zauber her: Eine Information so zu formulieren, dass sich ein Objekt weigert, sich weiter zu bewegen, was auf herkömmlichen Wege ja mit dem Cantus An Ex Por gleichzusetzen ist, ist bedeutend schwieriger als beispielsweise die Kleidung des Objektes in Brand zu setzen, aus dem simplen Grund, weil die Rektion entsprechend kleiner ist. Noch einfacher wäre der Vergleich zwischen 2 ähnlichen Zaubern: Für den Cantus In Por Ylem sind dementsprechend weniger Informationen zu verändern als für den Cantus Vas Flam.
Eine unausweichliche Frage jedoch bleibt: Wenn es diesen Prozess gibt, was hat ihn ausgelöst, beziehungsweise warum ist dieser wahre Zustand noch nicht erreicht, wenn die Tendenz in konstanter Manier dorthin weist? Welche Art der Manipulation war es, auf der diese Unregelmäßigkeiten beruhen, die die wahre Tendenz erst nötig werden lassen? Entweder ist der wahre Zustand, der angestrebt wird, außerhalb jeglicher zeitlichen Erfassung, oder es gibt nicht nur einen wahren Zustand, sondern über die Ewigkeit betrachtet unendlich viele desselben. Der Autor neigt eindeutig zu letzterer Auffassung, da einige Prozesse auch innerhalb eines Menschenlebens eindeutig zu verfolgen sind. Somit definieren die Objekte ihr „Schicksal“, sobald sie jenes als erfüllt ansehen, es im gleichen Moment neu, daraus folgt, dass ein unendlicher Kreislauf entsteht, der in letzter Konsequenz unser aller Zukunft bestimmt. Den bereits erwähnten Urzustand, den ersten wahren Zustand also umzukehren oder noch besser zu rekonstruieren ist leider nicht möglich, da er sich außerhalb jeglicher Kenntnis befindet, auf diesen Punkt spielt der Autor bereits in den Vorbemerkungen an.
(Anmerkung des Autors: Man kommt wohl nicht darum herum, auf jene Anwender hinzuweisen, die im Volksmund gerne als Scharlatane bezeichnet werden: Hellseher. Es besteht berechtigter Grund zu der Annahme, dass jene in der Lage sind, rein intuitiv gewisse „Grundtendenzen“ wahrzunehmen, außerhalb jeglicher wissenschaftlichen Überwachung, was sie auch dementsprechend schwer überprüfbar macht. Weitere Forschungen in diese Richtung wären sicher mit dem in dieser Arbeit gegebenen theoretischen Grundgerüst eine lohnenswerte Überlegung)
Der Autor weist noch auf jene Möglichkeit hin, wenn etwa Objekte durch Gewalteinwirkung zerstört werden, in diesem Fall ändert sich bei Lebewesen, deren wahre Tendenz als bei weitem komplexer angesehen muss als gewöhnliche tote Objekte, die wahre Tendenz natürlich rapide, währenddessen sie bei dem erwähnten Stein keine große Veränderung erzeugen würde. Er würde weiter seine Wellen aussenden, nur eben 2-fach mit der entsprechend geringeren Intensität. Interessanter erscheint der Fall von Zusammenfügungen von verschiedenen Objekten: Ein Schwert etwa, das durch Einwirkung von großer Hitze aus unterschiedlichen Metallen geschmiedet wird, erzeugt als Konsequenz dessen eine so genannte „mittlere“ wahre Tendenz, man könnte dies als einen Kompromiss der vorher existierenden Strukturen bezeichnen. Ein Baum jedoch, der nur über seine Wurzeln mit dem Boden in Verbindung steht, geht eine solche direkte Verbindung nicht ein, dementsprechend müssen beide getrennt betrachtet werden.
Conclusio und Schlussbetrachtungen
Die Intention, sich mit den dargelegten Phänomenen zu beschäftigen, entstand zweifellos aus der Natur der Problemstellung, anders formuliert war es etwas, das meine Verwunderung erregte und das Antworten forderte. Zur Lösung dieser Probleme konnte nur ein Verfahren angewendet werden, und dies ist ein elementarer Bestandteil jeglicher Forschung, ja sogar jeglicher gesunder Menschenvernunft: die Methode von Versuch und Irrtum. Genauer ausgedrückt ist es die Methode, versuchsweise Lösungen des Problems aufzustellen und dann die falschen Lösungen als irrtümlich zu eliminieren. Dieses Verfahren ist nicht nur den Menschen eigen, auch niedere Wesen wie primitive Tiere verwenden es, in Form von Probierbewegungen, um ein lästiges Problem loszuwerden. Dadurch, dass die Theorie eine Umstürzung der Paradigmen der Akademie fordert und somit eine Umgestaltung der gesamtwissenschaftlichen Erkenntnis einer ganzen Reihe von Forschern, die sich über Generationen erstreckt, ist wohl von Seiten der Akademie ein hohes Maß an Vorstellungsbereitschaft gefordert, um die ausgeführten Theorien als das zu behandeln, was sie sind: Lösungsversuche der Problemstellungen von Phänomenen, deren Beantwortung wir unser aller Leben gewidmet haben.