Liasghar Sasqal/Vom Leben in den Tod
Vom Leben in den Tod
von Liasghar Sasqal
Einleitung
Das von der Natur vorgegebene Gesetz bezüglich des Lebens und des Todes lässt sich sehr einfach formulieren: Der Tod ist die unumgängliche Folge des Lebens. Tatsächlich ist nicht nur jedwedes Geschöpf, sondern auch jegliche Art des Seins in seinem Fortdauern an Vergänglichkeit gebunden. Wo einerseits die Vorgänge der Natur vom Sterben bis hin zum Verwesungsvorgang relativ leicht festzuhalten sind, haben wir andererseits Probleme in der Vorstellung, dies auf das Denkende in uns auszuweiten. Zwar ist in den Naturwissenschaften längst bewiesen, dass das Gehirn vorgibt, mit welcherlei Intelligenz die jeweilige Person gesegnet ist, sowie, dass die Fähigkeit zu denken fest damit verknüpft ist. Wodurch allerdings erklären sich dadurch die gegebenen Möglichkeiten in der Kommunikation mit Geistern oder das Vorhandensein eigenständig denkender untoter Wesen?
Da der bedeutungsvolle Charakter dieses Phänomen nicht bestritten werden kann, möchte ich mich dem im Folgenden widmen, um ergründen zu können, wohin eine Seele nach dem Tod ihres Körpers zu fliegen gedenkt.
Anmerkungen zur Arbeits- und Herangehensweise
Von Vorteil für das Verständnis des Folgenden ist die Kenntnis meines ersten Werkes - einer sehr viel allgemeineren Dissertation über die Planaristik -, da es sich hierbei um eine spezielle Erweiterung auf das Verhältnis von Leben und Tod mit größerer Detailkenntnis handelt. Weiterhin wird es dem Leser helfen, sich an meine Vorgehensweise zu gewöhnen: Ich gedenke, zunächst das Erstrebenswerte theoretisch mithilfe logischer Folgerungen zu ergründen, um erst zuletzt die Anwendbarkeit dieses Gedankengebildes auf die Praxis zu demonstrieren. Es handelt sich daher also um eine vornehmlich theoretische Arbeit.
Zusammenfassung der zugrunde liegenden Gedanken (aus "Planaristik" von Liasghar Sasqal)
Wir betrachten das Universum, das ich als Gesamtheit alles Existenten jedweder Natur definiere, als Abbild einer Grundsphäre.
An dieser Stelle möchte ich einen kurzen Einschub vornehmen: Die Definition von "Existent" ist in diesem Kontext sehr schwierig, wenn sie überhaupt streng mathematisch durchführbar ist. Folgende Aussagen sind gemäß der Axiome korrekt und geben eine Vorstellung von den genannten Begriffen:
- Die absolute Gesamtheit ist die Summe aus Universum und Grundsphäre
- Es gibt keine Schnittmenge aus Universum und Grundsphäre
Mit dieser Betrachtung geht einher, dass jedes Subjekt sowie jeder Umstand, in dem es sich befindet, aus der Grundsphäre reproduzierbar ist. Das heißt insbesondere, dass in besagter Ebene selbst Dinge wie Naturgesetze unserer Welt festgelegt sind, nicht aber auch ihre Gültigkeit in der Grundsphäre besitzen müssen.
Die Folgerung für das Arkanes Gewebe lautete (Begründung entnehme man dem zitierten Werk): Das Arkane Gewebe enthält eine bestehende, absolute Teilmenge vieler Welten.
Damit ist die Funktionsweise des Arkanen Gewebes so darzustellen: Das Gewebe durchzieht einen Teil unserer Welt, der mit Ausnahme der Informationen über Naturgesetze (und insbesondere der Zeit) unsere vollständige Welt enthält. Auf diese Weise ist es dem Magier möglich, wesentliche Schranken, die diese Welt setzt, zu umgehen, um dadurch Magie zu wirken.
Axiome
Diese Ausarbeitung fußt auf jener über die Planaristik. Daher liegen ihr dieselben Axiome zugrunde, die ich vor weiterer Argumentation samt ihrer Begrüdungen wiederholen möchte, um mich gegebenenfalls darauf beziehen zu können.
1. Axiom: Unsere Welt sowie alles, was darüber hinausgeht, ist durch eine endliche Anzahl von Informationen reproduzierbar. Begründung: Obgleich Ebenen für den Menschen über eine unvorstellbar große Menge von Informationen verfügen, werden sie doch nie die Unendlichkeit erreichen: Selbst wenn die Ausmaße einer Ebene unbegrenzt sein mögen, widerspricht das nicht der Tatsache einer möglichen Beschreibung dieser. Die Mathematik leistet in dieser Hinsicht bedeutende Dienste.
2. Axiom: Die Anzahl der Informationen ist konstant. Begründung: Mit sämtlicher uns zur Verfügung stehender Magie gelingt es uns lediglich, die Welten zu manipulieren. Etwas gänzlich Neues zu schaffen ohne Bestehendes auszunutzen ist bisher nie erreicht worden. Ebenfalls ist es unmöglich, Materielles völlig zu vernichten.
3. Axiom: Die Magie ist für die jeweilige Bezugsperson absolut. Begründung: Sorgfältiges Studieren alter Forschungstagebücher deuteten offensichtlich darauf hin, dass - unabhängig davon, in welcher Ebene sich die Gelehrten befanden - sie dennoch auf ihre Magie zurückzugreifen wussten, obschon sich physikalische Gesetze geändert hatten. Dies ist ein Hinweis auf einen einzigen Ursprung für Magie. Anmerkung: Ich behaupte damit keinesfalls, dass Magie absolut ist. Dies wird sich niemals widerlegen noch beweisen lassen, weil in diesem Zusammenhang die Subjektivität eine zu wesentliche Rolle spielt.
Kapitel I
Kapitel I - Vergänglichkeit: Die Zeit
Wie dem Leser schon in "Zusammenfassung der zugrunde liegenden Gedanken" ins Auge gefallen sein wird, lässt sich die Zeit nicht als parallel laufender Effekt vereinfachen, weil die Zeit erst beim Übergang von Grundsphäre zu Universum entsteht. Dies wirft einen augenscheinlichen Widerspruch auf: Solange es in der Grundsphäre keine Zeit gibt, können wir von keiner Entwicklung sprechen, weil diese eine Relation zwischen vorher und nachher benötigt. Praktisch formuliert hieße das, dass alles determiniert ist.
Zwar kann ich die Vorherbestimmtheit nicht ausschließen, dafür jedoch kann darlegen, dass sie nicht zwingend aus meinen Annahmen folgt:
Solange etwas aus der Grundsphäre auf das Universum abgebildet wird (hier speziell auf unsere Welt), impliziert dies, dass es sich der dort herrschenden Zeit unterwirft. Dort besitzt es je nach Belieben freie Entfaltungsmöglichkeiten. Die anschauliche Begründung, warum dies nicht im Widerspruch mit den festen Informationen über seine Zukunft steht, liefere ich hier:
Vereinfacht betrachten wir zwei verschiedene Welten A und B. In Welt A existiert die Zeit, in Welt B hingegen nicht, während die Möglichkeit besteht, von B aus A zu beobachten. In A lebt nun eine beliebige Person frei nach seinem Willen. Dabei kann der Beobachter in B, der ja nicht an die Zeit gebunden ist, zu jedem Zeitpunkt (der Zeit in A selbstverständlich) die Person betrachten. Das heißt, der Beobachter ist frei in seiner Entscheidung, zu welcher Zeit die Informationen gehören, die er einholt. Die unumgängliche Folge ist, dass der Beobachter alles wissen kann, ohne jemals in das Leben dieser Person eingegriffen zu haben oder es gar vorherbestimmt zu haben. (Der Autor möchte sich an dieser Stelle für den Buchstabenwirrwarr bei der Bezeichnung der Welten entschuldigen, kam jedoch zu dem Schluss, dass es sich dabei um die einfachst mögliche Darstellung handelt.)
Erscheint die Betrachtung noch immer nicht durchsichtig, empfehle ich es, sich dies nochmals zu Gemüte zu führen, da sie zu den grundlegenden Dingen dieser Theorie zählt.
Festzuhalten ist auf jeden Fall, dass wir per definitionem etwas Unvergängliches zu allem vorliegen haben, denn wo es weder vorher noch nachher gibt, kann keine Vergänglichkeit existieren. Zu klären gilt allerdings die Erreichbarkeit dieser absoluten Informationen aus unserer Welt. Ansonsten wäre der praktische Unterschied gleich null, könnten wir von Unvergänglichem ausgehen, das aber stets unseren Händen entgleitet.
Resümee Kapitel I - Vergänglichkeit: Die Zeit
- Die Zeit entsteht aus der Abbildung des Universums aus der Grundsphäre.
- Die Grundsphäre ist daher zeitlos und beinhaltet alle Informationen über Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit in unserer Welt.
- Unser Handeln ist trotzdem nicht zwingend determiniert.
- Mit der Grundsphäre liegt etwas Unvergängliches vor.
Kapitel I - Vergänglichkeit: Geist und Seele
Definition Seele: Bei der Seele handelt es sich um den Kern eines denkenden Wesens. Sie sei definiert als die Anhäufung von Informationen in der Grundsphäre, die Charakter und Leben dieses Wesens beschreibt. Die Seele ist also das Urbild und damit absolut, unvergänglich und kann ohne Bindung an irgendeine materielle Welt fortbestehen.
Definition Geist: Ein Geist hingegen benötigt ein bewusstes Erleben. Daher bedarf es neben der Seele eine Welt, in der er lebt - in der Grundsphäre befinden sich schließlich nur die zugehörigen Informationen. Explizit heißt das, dass ein Geist aus der Bindung an das Universum resultiert.
Folgen:
- Einerseits vergeht der Geist eines Menschen mit dem Tod der jeweiligen Person. Die Seele bleibt andererseits bestehen. Das bedeutet, dass das bewusste Leben verschwindet, aber jederzeit mit der entsprechenden Macht eindeutig reproduzierbar ist.
- Ein Geist erfordert zwingend eine Seele. Das Erschaffen einer Seele ist nach dem zweiten Axiom nicht möglich.
Resümee Kapitel I - Vergänglichkeit: Geist und Seele
Auf eine Zusammenfassung wird in diesem Kapitel verzichtet, da das Kapitel selbst bereits in aller Kürze wiedergegeben wurde.
Kapitel I - Vergänglichkeit: Nekromantie der Totenbeschwörung
In diesem Unterkapitel möchte ich auf eine Anwendung der Praxis eines Nekromanten verweisen, die sich mit dem bisher Dargelegten einwandfrei ergänzt. Im vorangegangenen Kapitel wurde nämlich gefolgert, dass aufgrund der Grundpfeiler dieser Theorie ein Erschaffen eines Geistes nicht gelingen kann. Da ein Gehilfe, der eigenständig handelt und keiner fortwährenden Kontrolle bedarf, nicht nur im Kampf von großem Nutzen ist (es ist keine stetige Aufmerksamkeit erforderlich, dass die Konzentration anderen Canti gewidmet werden kann), bedienen sich Magier und Nekromanten verschiedener Methoden, um dies dennoch zu bewerkstelligen:
- Die nicht näher zu behandelnde Möglichkeit, ein Wesen heraufzubeschwören und es anschließend unter Kontrolle zu bringen. Dies ist unter Magiern sehr verbreitet.
- Oder aber man greift auf Seelen bereits Verstorbener zurück. Dieses Vorgehen ist ungleich schwieriger als das vorher angedeutete, weil dafür erneut eine Verbindung zu unserer Welt hergestellt werden muss. Unseren Bezeichnungen nach erschafft oder reaktiviert der Nekromant damit einen Geist.
Wie kommt es dann allerdings zu dem, was wir "untot" nennen? Zu Beginn wurde schon gesagt, dass es sich bei Personen stets um Anhäufungen verschiedener Informationen handelt. Bei der Komplexität einer Seele oder sogar der zugehörigen Informationen zu dem Körper, den sie einst bestimmt hat, erfordert es sehr viel Aufwand, um eine vollständige Wiederbelebung zu bewerkstelligen. In der Praxis ist es daher so, dass es nicht gelingt, die gesamte Menge der Informationen, die die Seele ausgemacht hat, an diese Welt zu binden, dass wir es mit einem Wesen zu tun hat, dass körperlich und geistig lange nicht dem früheren Menschen entspricht. Dies kann oft aber auch zweckmäßig sein, denn ein schwacher Wille ist für den Nekromanten deutlich einfacher zu kontrollieren. Körperlicher Verfall der Untoten sind häufig Zeuge der schwachen Binden an diese Welt. Dabei muss die Seele nicht notwendigerweise mit dem früheren Körper verknüpft werden. In dieser Hinsicht hat der Totenbeschwörer viele Freiheiten, nur ist es in diesen Fällen meist sinnvoll, direkt die unter den Magiern verbreitete Möglichkeit der Beschwörung anzuwenden - je nach dem, wie schwierig es ist, das jeweilige Wesen zu kontrollieren.
Bemerkung: Es ist selbstverständlich auch möglich, auf die Seele eines Wesens zurückzugreifen, das noch gar nicht gelebt hat. Gemäß unserer Vorstellung wird es keinen Schaden davontragen. Interessant daran ist jedoch die Frage, was eintreten wird, wenn schon vor der eigentlichen Geburt Binden durch einen Nekromanten geknüpft worden wären, die noch im Moment der Geburt bestehen. Die Möglichkeiten wären die folgenden:
- Wir handeln uns keinen Widerspruch ein, wenn es ein mehrmaliges Abbild derselben Seele gibt. Theoretisch ist sogar ein Paralleluniversum möglich.
- Die Verbindung des Nekromanten reißt ab. Auswirkungen auf den Nekromanten sind nicht auszuschließen.
- Wir können sogar einräumen, dass der Nekromant stärker ist als die naturgegebene Bindung. In diesem Fall entsteht womöglich eine Totgeburt.
Da sich alle Alternativen weder theoretisch noch praktisch nachweisen lassen (die Wahrscheinlichkeit, einen solchen Moment bei der entsprechenden Person aufzufinden ist verschwindend gering), belasse ich es beim Aufzeigen der Möglichkeiten.
Resümee Kapitel I - Vergänglichkeit: Nekromantie der Totenbeschwörung
- Bei der Totenbeschwörung werden Seelen ein weiteres Mal an unsere Welt gebunden.
- Untote sind ein Resultat einer unvollständigen Totenbeschwörung
Kapitel I - Vergänglichkeit: Einsichtnahme in Zukunft und Vergangenheit
Die Existenz einer solchen zeitlosen Ebene wie die Grundsphäre legt dieses Kapitel natürlich sehr nahe, obwohl es nicht eigentlichen Zweck dieser Ausarbeitung entspricht, auf solche Dinge einzugehen. Dennoch möchte ich dies im Folgenden kurz umreißen, um das Verständnis für unsere Betrachtung zu erhöhen. Während der Nekromant einerseits direkt eine Verbindung herstellt und damit aktiv handelt, ist es andererseits keine Voraussetzung, irgendwelche Kenntnisse über diese Person zu besitzen. Er nutzt also keine Informationen aus der Grundsphäre aus, um sein Wissen zu bereichern.
Problematisch ist an dieser Angelegenheit, dass das Bezugssystem ein zweites Mal gewechselt wird. In "Kapitel I - Vergänglichkeit: Die Zeit" wurde dargelegt, wie der Beobachter in der zeitlosen Welt die andere Welt "zu allen Zeiten" beobachten kann. In diese Richtung ist die Eindeutigkeit durch direktes Beobachten festgelegt, wohingegen in die andere Richtung eine gewisse Unsicherheit vorliegt. Das heißt, dass sich ein Wahrsager - ganz gleich, wie er sich auf seinen Beruf versteht - Irrtümer einhandeln wird, bedingt dadurch, dass das Bild nicht eindeutig wiedergegeben werden kann. Es obliegt anschließend seinem Verstand und geschickter Abwägung, ob es nun den Tatsachen entsprechen kann.
Dies ergänzt sich mit der alltäglichen Erfahrung, die man mit Büchern der Geistlichen machen kann: erschreckende Visionen, die sich jedoch verhindern lassen. Hätte man die exakte Information sehen können, gäbe es nichts, das es aufhalten könnte. Logisch gesehen hätte dies bedeutet, dass unser Handeln doch determiniert ist - was aber aufgrund der im vorangegangenen Absatz begründeten fehlenden Eindeutigkeit nicht der Fall ist.
Resümee: Kapitel I - Vergänglichkeit: Einsichtnahme in Zukunft und Vergangenheit
- In die Zukunft zu sehen ist eingeschränkt möglich.
- Die Information ist nicht eindeutig wegen der zweiten notwendigen Abbildung. Unser Handeln muss also nicht vorherbestimmt sein.
Kapitel II - Im Angesicht des Todes
Im vorangegangenen Kapitel haben wir bereits die Vergänglichkeit diskutiert und haben explizit Leben vom Tod unterschieden. Was dabei jedoch unberücksichtigt blieb, war die exakte Kenntnis über den Augenblick des Dahinscheidens. Dieser ist derart wichtig, dass ich ihm ein eigenes Kapitel widmen möchte. Versteht man diesen Teil des Sterbevorgangs, gewinnt man Aufschlüsse über die Art der Binden, die eine Seele mit unserer Welt verknüpfen. Und gerade diese sind im Alltag eines Nekromanten von praktischer Relevanz.
Kapitel II - Im Angesicht des Todes: Kriterien
Dauer: Interessant ist natürlich die Dauer dieses Vorgangs, während jedoch zu berücksichtigen ist, dass subjektives und reales Empfinden stark auseinander gehen.
Empfinden: Als was wird das Sterben empfunden? Hier wird sich ganz zurecht die Frage auftun, weshalb dies für den Forscher von Bedeutung sein sollte, aber dies ist leicht erklärt: Es ist zu unterscheiden, ob man das Lösen der Verknüpfung zum Beispiel als Erleichterung erachtet, dass wir bei diesem Vorgang eigenes Zutun oder auch Widerstreben zu berücksichtigen hätten.
Dahinter stehende Kräfte: Das leitet zum interessantesten Aspekt über: mit welchen Kräften haben wir es zu tun, dass diese Verbindungen seit jeher auf natürliche Weise gelöst werden?
Resümee Kapitel II -Im Angesicht des Todes: Kriterien
Von Interesse ist für uns die Betrachtung von Dauer, Empfinden und der dahinter stehenden Kräfte beim Sterbevorgang.
Kapitel II - Im Angesicht des Todes: Diskussion
Dauer: Über die reale Dauer des Vorgangs können wir anhand unserer Theorie sofort eine Aussage machen: Das Lösen der Binden einer Seele geschieht instantan. Die Begründung ist denkbar einfach: Hätten wir es mit einem allmählich voranschreitenden Ablauf zu tun, müssten sich dieselben Phänomene beobachten lassen, wie es in "Kapitel I - Vergänglichkeit: Nekromantie der Totenbeschwörung"der Fall war. Während ihn der Tod ereilt, müsste er nach und nach an Verstand, Willenskraft et cetera verlieren, ehe er gänzlich dahin scheidet. Daher können wir davon ausgehen, dass der Geist in einem nicht messbaren Zeitintervall verschwindet.
Einschub: Selbstverständlich sind mir Krankheiten, die den Verstand im Alter befallen bekannt, und auch das Altern können ein zweischneidiges Schwert in meinem Gedankengebäude sein:
- Einerseits lassen sie sich als Verfall der Binden interpretieren.
- Andererseits kann es fester Bestandteil der Informationen in der Grundsphäre sein.
Die erste Möglichkeit steht nicht im Widerspruch zu unseren Axiomen, weil unser Universum durch die fixen Informationen Grundsphäre und der Abbildung eindeutig bleibt. Das heißt insbesondere, dass alles eindeutig rückführbar ist. Dennoch schließe ich diesen Punkt aus. Dem würde nämlich ein gänzlich zufälliger Verfall zugrunde liegen, während wir systematische Zusammenhänge vorliegen haben. Das Altern ist schließlich ein naturgegebener Prozess, der nicht auf Wahrscheinlichkeiten beruht. Völlig zu missachten ist diese Möglichkeit jedoch auch nicht. Ich räume ein, dass es durchaus Krankheiten geben kann, die dort ihren Ursprung finden.
Empfinden: Dies ist theoretisch nicht ergründbar. Obwohl es durchaus sein kann, dass jeder ähnliche Erfahrungen nahe dem Tode macht, wodurch man das Empfinden für alle auf einen gemeinsamen Nenner bringen kann, ist natürlich damit zu rechnen, dass dieses Empfinden stark auseinander geht. Die Antworten darauf sind daher in den nachfolgenden Kapiteln in der Praxis zu suchen.
Dahinter stehende Kräfte: Generell gibt es zwei verschiedene Arten, dies zu erklären:
- Der Tod ist die einzig unausweichliche Information in der Grundsphäre.
- Da es in der Grundsphäre keine Entwicklung gibt, muss die Abbildung durch unser Universum festgelegt sein (Die Eindeutigkeit der Abbildung ist in diesem Fall durch die Eindeutigkeit von Bild und Urbild gewährleistet). Das heißt insbesondere, dass eine vom Universum ausgehende, naturgegebene Kraft die Binden knüpft, die wie jene des Nekromanten der Vergänglichkeit unterliegen. Der Tod ist also die Schwäche der natürlichen Binden.
Diese Frage ist nicht zu beantworten. Zwar lassen sich einige Gründe festhalten, die eine Entscheidung rechtfertigen könnten, aber stattdessen will ich im Folgenden darlegen, weshalb es unmöglich ist, eine Antwort darauf zu geben. Wie bereits in "Kapitel I - Vergänglichkeit: Einsichtnahme in Zukunft und Vergangenheit" erörtert, verliert die in der ersten Annahme postulierten Information ihre Eindeutigkeit, sobald sie für unsere Augen sichtbar wird. Deshalb kann dieser Fall weder widerlegt noch bewiesen werden. Auf den zweiten Fall ist die Argumentation, die wir in "Kapitel II – Im Angesicht des Todes: Diskussion, Dauer: Einschub" angewandt haben, wegen der nun vorhandenen Systematik nicht übertragbar. Daher können wir auch keine weiteren Aussagen über die Wahrscheinlichkeit treffen.
Resümee Kapitel II - Im Angesicht des Todes: Diskussion
- Das Sterben ist ein instantaner Prozess.
- Das Empfinden kann theoretisch nicht vorausgesagt werden.
- Die Ursache kann in einer Information in der Grundsphäre liegen oder aber an der Schwäche der von unserem Universum geknüpften Binden. Eine Entscheidung ist auch durch praktische Versuche nicht zu treffen.
Kapitel III
Kapitel III – Praxis: Binden einer Seele / Erschaffen eines Geistes
Absicht: Ziel sei es, eine bereits verstorbene Seele wieder mit unsere Welt zu verknüpfen, dass die Möglichkeit besteht, mit dieser zu kommunizieren.
Vorüberlegung: Da uns in diesem Fall sehr viel mehr daran liegt, den Geist unbeschadet zurückzuführen als ihm einen funktionsfähigen Körper zu schenken, gehe ich im Folgenden sogar so weit, dass ich gänzlich darauf verzichte, ihm einen Körper zu beschaffen. Es ist in unserem Sinne, die Konzentration des Ritualisten auf die Seele zu fixieren, da sonst der bereits dargelegte Effekt bei der gewöhnlichen Totenbeschwörung auftritt: fehlendes Gedächtnis, mangelnde Willenskraft und zurückgebliebener Verstand. Dies wirft allerdings die Frage auf, woran man die Seele stattdessen bindet. An sich ist es zumeist einfacher, den eigenen Körper wegen der ursprünglichen "Nähe" in der Grundsphäre erneut auferstehen zu lassen, als zusätzlich wider den natürlichen Gegebenheiten zu handeln, indem gänzlich neue Verknüpfungen geschaffen werden. Bindet man es dennoch an einen anderen verfügbaren Körper, sind folgende Dinge für eine einfache Bindung unerlässlich:
- In diesem Körper sollte kein Geist mehr wohnen.
- Ähnlichkeit mit dem Körper des Geistes, den es wiederzubeleben gilt (Zwillinge wären an dieser Stelle selbstverständlich ein Glücksfall, es geht aber zum Beispiel auch darum, dass beide derselben Rasse angehören.)
- Dinge aus dem früheren Leben der Person.
- Beisein förderlicher Foki für den Part, auf den man sich konzentriert (Beispiel später)
Diese Auflistung entstammt einer Recherche. Es handelt sich also um Erfahrungsberichte.
Ergebnisse I: Es erwies sich als zweckmäßig, mich einem kurzen Studium der Alchemie zu unterziehen. Das Ergebnis, das ich im Folgenden präsentieren werde, entstammt Experimenten. Ich werde lediglich knappe Vermutungen anführen, weshalb es gerade zu diesen Inhaltsstoffen kommt, sie jedoch nicht weiter diskutieren, da sie - wie oben schon bemerkt - nicht dem eigentlichen Zweck dienen.
Ein abschließbares, dickwandiges Glasgefäß füllt man eine bereits vorgefertigte Mischung der folgenden Substanzen:
- 3 Teile Stärketrunk: die Inhaltsstoffe - die Alraune - besitzen ursprünglich eine menschenähnliche Form. Es gibt vielerlei Gerüchte, die man ihnen nachsagt und auch in den Kontext passen.
- 7 Teile Trank der geistigen Erfrischung: besteht hauptsächlich aus organischem Material und dient hier als Fokus für das Geistige, das es hier zu erschaffen gilt.
- 1 Teil gemahlene Knochen des ursprünglichen Körpers (am besten aus der Schädeldecke): etwas aus dem Leben der Person; dass sich die Schädeldecke am besten eignet halte ich für keinen Zufall.
- 2 zusätzliche Teile Wasser
Durchführung: Menschliche Schädel finden sich zu Genüge auf Friedhöfen. Man bediene sich vorzugsweise des Nachts. Persönliche Foki sind natürlich zu empfehlen, generell sind aber keine weiteren erwähnenswert. In meinem Fall handelt es sich bei dem persönlichen Fokus um ein einfaches Erinnerungsstück, das mich der Wahrheit bewusst werden lässt. Zu veranschlagende Zeit für das Ritual selbst: etwa acht Stunden. Es gilt, während der gesamten Durchführungszeit, die Konzentration zu bewahren. Daher sind Störfaktoren möglichst auszuschalten et cetera. An sich sind alle üblichen Dinge, die es bei einem Ritual zu berücksichtigen gilt, auch hier zu beachten. Genauere Darstellungen entnehme man der Literatur speziell für dieses Gebiet.
Ein direktes Eintauchen in die Grundsphäre ist nicht möglich. Uns steht jedoch der Umweg über das Arkane Gewebe offen (siehe Ausarbeitung zu Planaristik). Man geht grob in dieser Reihenfolge vor:
- Auffinden und vollständiges Erfassen der Seele. An dieser Stelle ist es zu empfehlen, sich Zeit zu lassen, denn je besser man die Tiefen dieser Seele ergründet hat, desto besser lässt sie sich übertragen. (vergangene Zeit: etwa vier Stunden)
- Knüpfen der neuen Bindung an unser Universum. Hier gilt es, die Tatsachen derart zu manipulieren, dass diese Seele von der Abbildung auf das Universum überhaupt erfasst wird. (vergangene Zeit: etwa sechs Stunden)
- Binden des Geistes an das besagte Objekt. (vergangene Zeit: etwa acht Stunden)
Die Zeiten während des Rituals sind nur sehr grob geschätzt, da es mir unterdessen selbstverständlich nicht möglich war, auf die Zeit zu achten.
Ergebnisse II: Die durchgeführten Rituale nach der oben skizzierten Beschreibung verliefen allesamt erfolgreich, was aber auch der gewonnenen Übung bei der Optimierung der Substanz zu verdanken ist. Der eigentliche Erfolg wird aber erst im nachfolgenden Kapitel klar: Dieses Ritual wurde zum großen Teil deshalb durchgeführt, um die Antworten aus Kapitel II zu liefern, die ich noch schuldig bin.
Resümee Kapitel III – Praxis: Binden einer Seele / Erschaffen eines Geistes
Ein achtstündiges Ritual zur Bindung einer Seele an eine Substanz verlief erfolgreich.
Kapitel III – Praxis: Kommunikation
In diesem Kapitel wollen wir das Empfinden und die subjektive Dauer während des Sterbens ergründen. Den Erwartungen gemäß würde man vermuten, dass sich beides von Fall zu Fall sehr stark unterscheidet, doch ich werde mich in einer wissenschaftlichen natürlich nicht auf Glück verlassen. Die Idee dahinter ist sehr einfach: Ohne mich selbst in Gefahr zu bringen erhalte ich Informationen (und dazu auch noch aus verschiedenartigen Sichtweisen!) über diesen Vorgang, indem ich bereits Verstorbene darüber befrage. Aus diesem Grund wurde das Ritual in diesem Kapitel durchgeführt. Voraussetzung ist die Fähigkeit, mit Geistern sprechen zu können.
Nun folgt eine Auflistung der einzelnen Personen sowie das, was sich aus ihren Erzählungen ergeben hat.
Daten zur Person: vermutlich ein Paladin Tyraels
Bemerkungen: ich werde wüst beschimpft, er spricht von einer unheiligen Existenz
Erkenntnisse: man kann ihn sehr schnell wieder dorthin zurückschicken, woher er gekommen ist; der Charakter der Person bleibt offenbar gut erhalten
Daten zur Person: Bauer nahe Minoc
Bemerkungen: die Berichte über die letzte Kartoffelernte waren ausführlicher als jene über den Tod; er konnte sich an nichts über seinen Tod erinnern, starb im Schlaf
Erkenntnisse: wenn das Sterben überhaupt bewusst wahrgenommen wird, dann liegt es eher am eigenen Bewusstsein als an einem absoluten Weg
Daten zur Person: Waldläufer
Bemerkungen: verblutete einsam, berichtete von ausführlichen Nahtoderfahrungen - von Erinnerungen zu seinem gesamten Leben bis hin zur Hoffnung; Sterben relativ friedlich, er verglich es mit dem Einschlafen
Erkenntnisse: Erhärtung des Verdachts, dass es sich um subjektive Wahrnehmung handelt; Sterben auch subjektiv ein instantaner Prozess
Daten zur Person: alte Dienstmagd
Bemerkungen: starb ebenso im Schlaf
Erkenntnisse: -
Daten zur Person: Priester
Bemerkungen: verwirrter Eindruck, verstand erst gar nichts, redete aber voller Eifer von seiner Gottheit und wie er im Tode empfangen wurde
Erkenntnisse: -
Daten zur Person: Bettler
Bemerkungen: wurde von einem Pfeil in den Hals getroffen, nachdem er einen Diebstahl begangen hatte; konnte sich nur an Kreislaufzusammenbruch und Übelkeit erinnern; Tod trat dann ganz plötzlich auf
Erkenntnisse: befürwortet Subjektivität sowie schnelles Eintreten des Todes
Daten zur Person: Trunkenbold
Bemerkungen: redete nur von "Bier und Weibern"; hat dem Alkohol den Tod zu verdanken; Erinnerung wie zu erwarten ausgelöscht
Erkenntnisse: -
Resümee Kapitel III – Praxis: Kommunikation
- Nahtoderlebnisse sind subjektiv
- Das Sterben an sich wird durch die Wahrnehmung nicht in die Länge gezogen
Schlussbetrachtung
Das in "Planaristik" erstellte Gedankengebilde wurde erfolgreich fortgeführt, im Detail auf die Nekromantie angewandt und letztendlich praktisch bestätigt. Außerdem wurden einige Informationen über die Art der Bindung, die uns am Leben hält, gewonnen, dass ich behaupten kann, viel weniger auf Intuition während eines Vorgangs, der die Nekromantie nutzt, zurückgreifen muss, sondern viel mehr tiefgreifenderes Verständnis für die Anwendung besitze. Natürlich handelt es sich hierbei in erster Linie um eine theoretische Ausarbeitung, die die Frage nach dem stellt, was eigentlich hinter all dem steckt, was die Zusammenhänge vorgibt und unsere Welt eigentlich zusammenhält. Jedoch sollte man nicht außer Acht lassen, dass - sofern wir all das auf einen gemeinsamen Nenner bringen können und einen Weg finden, unsere Wissenschaft in Logik zu kleiden - Schlüsse ziehen können, die wir in der Praxis nicht so einfach nachprüfen können, weil es dort nicht machbar ist. Gerade deswegen weist die Theorie unentwegt in die Zukunft, kann uns zwar nie ein Leben, aber stets eine Hilfe sein.
Daher schließe ich hiermit diesen Abschnitt meiner theoretischen Ausarbeitungen, um zu beobachten, wie sich die Axiome bewähren, dass ich eines Tages wieder darauf aufbauen kann.
Liasghar Sasqal